Hans will Beherbergungsverbot im Saarland kippen

Hans will Beherbergungsverbot im Saarland kippen

Ein Gespräch mit SR-Landespolitikredakteur Janek Böffel nach der Corona-Konferenz im Kanzleramt vom 14. Oktober 2020

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   15.10.2020 | 14:30 Uhr

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat die neue Einheitlichkeit der Corona-Richtlinien innerhalb Deutschlands gelobt - und angekündigt, dass Beherbergungsverbot für Menschen aus Risikogebieten im Saarland abschaffen zu wollen. Im SR-Interview erläutert SR-Landespolitikredakteur Janek Böffel die Einzelheiten.

Sondersitzung am 20. Oktober
Umsetzung der Corona-Maßnahmen wird dauern
Die Umsetzung der am 14. Oktober getroffenen Beschlüsse zur Pandemiebekämpfung wird im Saarland noch dauern. Das Kabinett kommt deshalb in der kommenden Woche zu einer Sondersitzung zusammen. Das Beherbergungsverbot wird allerdings schon am Freitag gekippt.

Eine Ausweitung der Maskenpflicht, eine Begrenzung der Gästezahl bei Feiern, Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum, eine Sperrstunde für die Gastronomie und eine Senkung der Warnstufe-Definition auf nur noch 35 statt wie bisher 50 wöchentlicher Neu-Infektionsfälle pro 100.000 Einwohner - das sind die wichtigsten neuen, deutschlandweit gültigen Corona-Regeln,. Die alte Marke von 50 Neu-Infektionen soll nach wie vor ein "Risikogebiet" ausweisen.

Hans zufrieden

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) lobte die neue Einheitlichkeit dieser Richtlinien innerhalb Deutschlands, kündigte allerdings an, das seit Juni gültige Beherbergungsverbot für Menschen aus Risikogebieten im Saarland schon am 16. Oktober abschaffen zu wollen.

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"Die saarländische Landesregierung und auch alle anderen Länder gehen den Kurs von Merkel mit"
Audio [SR 3, Florian Mayer, 15.10.2020, Länge: 02:00 Min.]
"Die saarländische Landesregierung und auch alle anderen Länder gehen den Kurs von Merkel mit"
Um auf die steigenden Infektionszahlen zu reagieren, haben sich Bund und Länder beim Corona-Gipfel auf weitreichende Beschränkungen geeinigt. Ministerpräsident Tobias Hans hat per Facebook ebenfalls ein Statement abgegeben. Demnach wird das Beherbergungsverbot für Reisende aus deutschen Corona-Risikogebieten im Saarland abgeschafft. Aus seiner Sicht hat sich das Verbot nicht bewährt.

Ministerpräsident Tobias Hans
Saarland schafft Beherbergungsverbot ab
Im Saarland wird das Beherbergungsverbot für Reisende aus deutschen Corona-Risikogebieten abgeschafft. Das hat Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) in einem Facebook-Statement nach dem Treffen der Regierungschefs mit Bundeskanzlerin Merkel angekündigt. Aus seiner Sicht hat sich das Beherbergungsverbot nicht bewährt.

Hauptstadt-Korrespondent Marcel Heberlein
Bund und Länder verschärfen Corona-Maßnahmen
Bund und Länder haben erwartungsgemäß schärfere Corona-Einschränkungen vereinbart. Auf eine flächendeckende Regelung zum Beherbergungsverbot oder zu Bußgeldern konnten sich Bund und Länder allerdings nicht einigen, sagte Hauptstadt-Korrespondent Marcel Heberlein im SR-Interview.

Maßnahmen in Corona-Hotspots
Erweiterte Maskenpflicht und Sperrstunde beschlossen
Bund und Länder haben sich im Kanzleramt u. a. auf eine Ausweitung der Maskenpflicht, eine Begrenzung der Gästezahl bei privaten Feiern, Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum und eine Sperrstunde für die Gastronomie geeinigt.

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Virologe Dr. Jürgen Rissland
"Vernünftiger mit Testressourcen umgehen"
Der Homburger Virologe Dr. Jürgen Rissland betrachtet das Beherbergungsverbot nicht als "das allein glückselig machende Momentum" im Kampf gegen das Corona-Virus. Es käme vielmehr auf "das Verhalten von jedem Einzelnen" an. Trotz steigender Fallzahlen habe man es im Saarland noch nicht mit einem unkontrollierbaren Zustand zu tun.

Hauptstadt-Korrespondent Dirk Rodenkirch
Lockdown unwahrscheinlich, weitere Einschränkungen schon
Dirk Rodenkirch vom ARD-Hauptstadtstudio glaubt nicht an ein Ende der umstrittenen Beherbergungsverbote in Deutschland, wohl aber an noch weitergehende Einschränkungen im Zuge der Corona-Regeln. Ein erneuter Lockdown sei aber nicht zu befürchten: "Das ist das, was alle wirklich vermeiden wollen", so Rodenkirch im SR-Interview.

Vor dem Länderchef-Treffen am 14. Oktober
Kann Berlin das Regel-Wirrwarr beenden?
Beim Treffen der Länderchefs im Bundeskanzleramt am 14. Oktober werde es vor allem darum gehen, dass Wirrwarr der Corona-Regeln auf eine einheitliche Linie zu bringen, meint ARD-Hauptstadtkorrespondent Uwe Lueb. Doch das könnte sich als schwierig erweisen, denn viele Ideen seien umstritten.

Hotellerie überfordert
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Das Beherbergungsverbot muss nach Ansicht der saarländischen Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) dringend auf den Prüfstand. Sie hofft, dass die Ministerpräsidenten bei ihrer Konferenz am 14. Oktober mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das Thema noch mal kontrovers diskutieren werden.

Beherbergungsverbot
Saar-FDP kritisiert Regierungsmaßnahme
Die Saar-FDP hat das Beherbergungsverbot für Menschen aus Corona-Risikogebieten, das seit Juni im Saarland gilt, als unverhältnismäßig kritisiert. Der stellvertretende Landesvorsitzende Helmut Isringhaus erklärte, die Maßnahme sei "Unsinn". Ähnlich sieht es der Dehoga Saar.

Reisende aus Risiko-Landkreisen
Länder mehrheitlich für Beherbergungsverbot
Vertreter von Bund und Ländern haben sich vor wenigen Tagen mehrheitlich auf ein Beherbergungsverbot für Reisende aus deutschen Corona-Risikogebieten verständigt. Wer aus einem Landkreis mit zu hohen Infektionszahlen kommt und keinen aktuellen negativen Test vorlegen kann, darf nicht in Hotels oder Pensionen übernachten.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 15.10.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt ein Corona-Aufklärungsplakat an einer saarländischen Straße (Archivbild: SR Fernsehen).

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