Lockdown unwahrscheinlich, weitere Einschränkungen schon

Lockdown unwahrscheinlich, weitere Einschränkungen schon

Ein Gespräch mit Hauptstadt-Korrespondent Dirk Rodenkirch vor dem Treffen der Länderchefs im Kanzleramt zur Corona-Politik

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   14.10.2020 | 09:30 Uhr

Dirk Rodenkirch vom ARD-Hauptstadtstudio glaubt nicht an ein Ende der umstrittenen Beherbergungsverbote in Deutschland, wohl aber an noch weitergehende Einschränkungen im Zuge der Corona-Regeln. Ein erneuter Lockdown sei aber nicht zu befürchten: "Das ist das, was alle wirklich vermeiden wollen", so Rodenkirch im SR-Interview.

Beim Treffen der Länderchefinnen und -chefs im Bundeskanzleramt am 14. Oktober dürfte es ein zähes Ringen um eine einheitliche Linie in der Corona-Politik geben. Besonders das Beherbergungsverbot hatte sich in den vergangenen Tagen als Zankapfel erwiesen. Auch höhere Bußgelder, Alkoholverbote oder verlängerte Weihnachtsferien dürften diskutiert werden.

Weitere Einschränkungen gut möglich

ARD-Hauptstadtkorrespondent Dirk Rodenkirch glaubt allerdings nicht an ein Ende des Beherbergungsverbots, weil eine Reihe von Bundesländern keine Signale ausgesendet habe, dieses beenden zu wollen. Auch die Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel sehe angesichts steigender Fallzahlen wohl keinen Spielraum für Lockerungen, sondern vertrete die Ansicht, dass bei den Corona-Regeln im Gegenteil "nun dringend noch mal nachgeschärft werden" müsse. Von daher halte er "weitere Einschränkungen" für wahrscheinlich. Auch eine generelle Schließung von Schulen und Kitas dürfte in Berlin "kein Thema sein".

Gemeinsame Linie nicht zu erwarten

Dass es zu einem Maßnahmen-Konsens aller Bundesländer kommen könnte, halte er dagegen für wenig wahrscheinlich - schon wegen der Unterschiede zwischen eher ländlich bzw. eher großstädtisch geprägten Regionen.

Lockdown - "Gift für die Akzeptanz"

Das Szenario eines erneuten Lockdowns aber sei so gut wie ausgeschlossen: "Wenn es eine einheitliche Meinung und Haltung gibt in allen Bundesländern und auch beim Bund, dann, dass es das ist, was man auf keinen Fall will", sagte Rodenkirch, denn dieser Schritt gelte als "Gift für die Wirtschaft, für die Unternehmen und eben auch für die Akzeptanz bei den Menschen für Corona-Maßnahmen". Ein erneuter Lockdown sei von daher "das, was im Grunde alle fürchten und alle wirklich vermeiden wollen", so Rodenkirch.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 14.10.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt ein Hotelbett: Wegen der Corona-Regeln zum Beherbergungsverbot bleiben viele Zimmer leer (Archivfoto: Kerstin Gallmeyer).

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