Klima, Konflikte, Covid 19 - die Haupthungertreiber der Welt

Klima, Konflikte, Covid 19

Ein Interview mit Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin des Hilfswerks "Brot für die Welt" und der Diakonie-Katastrophenhilfe, über die aktuelle globale Hunger-Situation

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   12.10.2020 | 08:45 Uhr

Zu den Hauptgründen für Hunger und Armut in der Welt - nämlich den Klimawandel und Konflikte - hat sich nun auch die Corona-Krise gesellt: Die Situation für die ärmsten Menschen werde dadurch drastisch verschärft, sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin des Hilfswerks "Brot für die Welt", im SR-Interview.

Der Friedensnobelpreis für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (UN) hat viele überrascht. Das Nobelpreiskomitee in Oslo hatte mit der Entscheidung ein Thema in den Mittelpunkt gerückt, das vor allem in Wohlstandsländern oft in den Hintergrund gedrängt wird: Noch immer leiden weltweit Abermillionen Menschen an Hunger. Und ihre Zahl könnte in den kommenden Jahren enorm steigen.

Drastische Steigerung durch Covid-19

Cornelia Füllkrug-Weitzel (Foto: Benjamin Morris/SR)
Cornelia Füllkrug-Weitzel bei einem früheren Besuch im Funkhaus Halberg (Archivfoto: Benjamin Morris)

Davon geht auch Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin des Hilfswerks "Brot für die Welt"und der Diakonie-Katastrophenhilfe aus. Im SR-Interview zum Tag der Präsentation des Welthunger-Index 2020 am 12. Oktober nannte sie den Klimawandel, die Konflikte in bestimmten Regionen und nun auch Covid-19 als die Hauptgründe für Hunger und Armut in der Welt.

Gerade Covid-19 werde ihrer Ansicht nach die Lage "drastisch" verschlimmern - auf dann rund 265 Millionen Menschen, die nicht genug zu essen haben. Ein Grund dafür sei, dass der Geld-Rückfluss von Menschen aus Krisengebieten, die im reicheren Ausland lebten und regelmäßig Geld in ihre Heimat schickten, wegen der Corona-Krise zurück gegangen sei: "Die haben jetzt auch keine Jobs mehr, in der Gastronomie beispielsweise", erläuterte Füllkrug-Weitzel.

"Menschenrecht auf Nahrung"

Zurzeit gehe man davon aus, dass die Zahl der unterernährten Menschen, die auf Lebensmittelhilfe aus dem Ausland angewiesen seien, um ca. zwanzig Prozent ansteigen werde. Global wären dann 80,3 Millionen betroffen.

Mittelfristig müsse "eine Veränderung der Ernährungssysteme stattfinden", forderte Füllkrug-Weitzel: Das "Menschenrecht auf Nahrung" müsse anstelle des Gewinnstrebens in den Vordergund gerückt werden.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 12.10.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt eine Mutter und ihr Kind in der indischen Ortschaft Anantnag Town, etwa 60 Kilometer südlich von Srinagar (Foto: dpa / XinHua / Javed Dar).

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