Warum ist Grand Est kein Risikogebiet mehr?

Warum ist Grand Est kein Risikogebiet mehr?

Ein Gespräch mit Frankreich-Reporterin Lisa Huth über die Corona-Lage in der Region Grand Est

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   07.10.2020 | 08:45 Uhr

Die Menschen in der Region Grand Est sind nach Einschätzung des Regionalratspräsidenten Jean Rottner noch immer "tief geprägt" von der Corona-Welle im Frühjahr. Das könnte ein Grund für die aktuell relativ milde Lage in dem einstigen Hochrisikogebiet sein, meint auch SR-Frankreich-Reporterin Lisa Huth.

Fast ganz Frankreich stellt aus Sicht der Bundesregierung zurzeit ein Corona-Riskogebiet dar. Nur ein Landstrich im äußersten Nordosten gilt nicht mehr als Risikogebiet: Grand Est, die Nachbarregion aus Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne direkt jenseits der deutschen Grenze. Was unterscheidet diese Region vom Rest Frankreichs?

Besondere Vorsicht?

"So richtig erklären kann es keiner", sagte Frankreich-Reporterin Lisa Huth im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. Der Regionalratspräsident und Ex-Intensivmediziner Jean Rottner vermute aber, dass die Menschen in Grand Est noch immer "tief geprägt" von der Corona-Welle im Frühjahr seien: Ganz ähnlich wie in Norditalien habe "fast jede Familie" damals einen Toten zu beklagen gehabt. Außerdem wollten die Menschen im Elsass und Lothringen einen derart harten Lockdown wie vor einigen Monaten "nicht noch einmal erleben", sagte Huth.

Steigende Zahlen

Zurzeit liege in Grand Est die Durchschnittszahl der pro Woche festgestellten Fälle bei etwa 40 Infizierten auf 100.000 Einwohner - "also unter der kritischen Marke von 50". Die Zahl der positiv Getesteten steige in jedem Grand-Est-Departement allerdings an. Dies könne aber auch damit zusammenhängen, dass "wie überall mehr getestet" werde, vermutete Huth.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 07.10.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt Corona-Hinweisschilder in L'Hopital in der französischen Region Grand Est (Archivfoto: SR Fernsehen).

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