Schweinepest-Ansteckungsrisiko bei Mastschweinen in Deutschland relativ gering

Ansteckungsrisiko bei Mastschweinen relativ gering

Ein Gespräch mit dem Wildökologen Prof. Sven Herzog , TU Dresden, über die Gefahren der Afrikanischen Schweinepest

Holger Büchner. Onlinefasung: Rick Reitler   24.09.2020 | 07:55 Uhr

Der Wildökologe Prof. Sven Herzog hat im SR-Interview die Bedenken wegen der Afrikanischen Schweinepest zurecht gerückt: Für den Menschen gebe es überhaupt kein Gesundheitsrisiko, für Mastschweine nur ein sehr geringes. Selbst bei der Wildschweinjagd habe man bislang "fast keine infizierten" Tiere erlegt.

Vor genau einer Woche ist die Afrikanische Schweinepest erstmals auch bei einem Wildschwein in Brandenburg festgestellt worden. Für die Schweinezüchter hat das schwere finanzielle Folgen, denn China hat umgehend alle Schweinefleisch-Importe aus Deutschland verboten.

Keine Gefahr für den Menschen

Dabei sei die Gefahr einer Ansteckung von Zuchtschweinen in Mastbetrieben bei Beachtung der Hygieneregeln hierzulande "relativ minimiert", sagte Prof. Sven Herzog, Experte für Wildökologie an der Technischen Universität Dresden, im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner.

Es gebe ja in Deutschland kaum noch Haus- bzw. Zuchtschweine, die im Freien in Kontakt mit Wildschweinen gelangen könnten. "Die Regel sind eben diese großen Schweinemastbetriebe, wo die Schweine in jedem Fall, auch jetzt schon, relativ isoliert von der Außenwelt sind - auch aus Gründen anderer Krankheiten." Für den Menschen stelle die Afrikanische Schweinepest ohnehin keine gesundheitliche Gefahr dar.

Ausbreitung verhindern

Herzog hatte einige Ratschläge parat, um die Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Er empfahl, die frei lebenden Wildschweine im Bestand zu reduzieren und weiter zu testen, auch wenn bisher "fast keine infizierten" Tiere bei der Jagd erlegt worden seien. Das liege vermutlich daran, dass die infizierten Wildschweine schon sehr schnell verendeten, bevor sie erschossen werden könnten, so Herzog.

Entscheidend sei nun, dass die Wildschweine sich nicht zu weit in der Fläche verteilen könnten. Hetzjagden mit Hunden, die Stress und Fluchtreflexe auslösen könnten, seien dafür aber nicht das richtige Mittel. Auch Kontakt zu Fleischabfällen aus Osteuropa sei momentan besser zu vermeiden, empfahl Herzog.

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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 24.09.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt zwei Hausschweine auf einem deutschen Bauernhof (Foto: SR Fernsehen).

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