Warum die deutschen T.E.E.-Pläne wenig realistisch sind

Warum die deutschen T.E.E.-Pläne wenig realistisch sind

Ein Gespräch mt Walter von Andrian, Chefredakteur der "Eisenbahn Revue", zu den Plänen des Bundesverkehrsministeriums auf eine Wiederbelebung der T.E.E-Idee

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   22.09.2020 | 07:40 Uhr

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will die Idee eines Trans-Europ-Express als "T.E.E. 2.0" wieder reaktivieren - schnelle Bahnverbindung zwischen Europas Metropolen an Stelle von Fluglinien. Der Eisenbahn-Experte Walter von Andrian hält das bis auf Weiteres für eine ziemlich unrealistische Idee. Ein Interview.

Wenn Sie auf das Flugzeug verzichten und stattdessen lieber mit dem Zug nach Griechenland, Portugal oder Schweden reisen wollen, dann ist das meist eine Tortur: Ewig lange Fahrzeiten, exorbitante Preise, zig mal umsteigen und Onlinebuchung Fehlanzeige. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will das ändern und den Trans-Europ-Express als "T.E.E. 2.0" wieder reaktivieren, um Europas Metropolen besser zu verbinden.

Bahn nicht konkurrenzfähig

Für Walter von Andrian, den Chefredakteur der Zeitschrift "Eisenbahn-Revue", ist die Realisierbarkeit des Vorhabens äußerst fraglich: Eisenbahnen könnten heutzutage finanziell mit den Fluglinien nicht mehr konkurrieren - schon weil das Zugpersonal durch die längere Reisezeit deutlich länger bezahlt werden müsse als eine Flugzeugcrew.

Ausreichende Trassen nicht vorhanden

Realistisch umsetzbar sei so ein T.E.E. nur, wenn das Fliegen deutlich teurer wäre, so von Andrian im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner. Zudem seien Scheuers Vorschläge "offenbar noch sehr am grünen Tisch entstanden". Eine Chance auf eine konkurrenzfähig T.E.E.-Verbindung etwa nach Athen gebe es lediglich dann, wenn dafür auch die passenden, schnellen Ausbaustrecken existieren würden.

Hintergrund:

tagesschau.de: Verkehrspolitik
Neustart für den TransEuropExpress?
Ein transeuropäisches Schnellzug-Netz: Das möchte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer voranbringen und berät darüber mit seinen EU-Minister-Kollegen auf einem "Schienengipfel" in Berlin.


Mehr zum Thema Bahn-Politik im Archiv:

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Die Bahn hat am 30. Juli verkündet, im ersten Halbjahr 3,7 Milliarden Euro Verlust gemacht zu haben. Das gehe allerdings nicht nur auf die ausgebliebenen Ticket-Verkäufe und die Corona-Pandemie zurück, sagt Christian Böttger, Professor für Verkehrswesen an der HTW Berlin, sondern auch auf Managementfehler aus der Vergangenheit. Ein Interview.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 22.09.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt einen ausgemusteten Trans Europ Express-Triebwagen (Foto: dpa / Stefan Puchner).

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