Auf der Suche nach der "europäischen Lösung" für Lesbos

Auf der Suche nach der "europäischen Lösung" für Lesbos

Ein Gespräch mit ARD-Korrespondent Tobias Betz über den Streit in Berlin um die europäöische Migraionspolitik

Sonja Marx. Onlinefassung: Rick Reitler   15.09.2020 | 07:15 Uhr

Angesichts der Lage auf Lesbos ringt die Regierungskoalition in Berlin weiter um eine Antwort auf die seit Jahren unbeantwortetete Frage einer "europäischen Lösung" für Migration. Für ARD-Hauptstadtkorrespondent Tobias Betz könnte ein neues, "europäisches Aufnahmezentrum" in Griechenland ein erster Schritt sein. Ein Interview.

Nach dem Willen der Opposition und Teilen der Union soll Deutschland mehr Menschen aus dem niedergebrannten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufnehmen. Bundes-Innenminister Horst Seehofer (CSU) hat bereits zugesagt, maximal 150 unbegleitete Minderjährige in Deutschland aufzunehmen. Darüber hinaus hofft er auf eine "europäische Lösung". Bis Mitte der Woche wollen die Sozialdemokraten in Berlin erreichen, dass Seehofer weitere Zugeständnisse macht.

Koalitionsstreit vermeiden

"Wir sehen schon, wo die Diskussion hingeht", sagte ARD-Hauptstadtkorrespondent Tobias Betz im Gespräch mit SR-Moderatorin Sonja Marx. Er habe den Eindruck, dass die Union das Thema nun "schnell abhaken" wolle: "Man will es nicht zu einem Koalitionsstreit kommen lassen". Der Fall Moria zeige "wie ein Brennglas, wie problematisch die europäische Migrationspolitik de fakto" sei.

Nur Deutschland und Luxemburg bereit

Womöglich könnte der Vorschlag, ein "europäisches Aufnahmezentrum, ein europäisches Lager in Griechenland aufzubauen", ein "erster Schritt" in Richtung europäische Migrationspolitik sein. Die spannende Frage sei dann, wie sich jene Mehrheit der EU-Länder verhalten werden, die dann gegen ihren Willen Geflüchtete aufnehmen müssten, so Betz. Zurzeit seien nur Deutschland und Luxemburg überhaupt bereit, Menschen aus Lesbos aufzunehmen.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 15.09.2020 auf SR2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt ein provisorisches Zeltlager für geflüchtete Menschen in der Nähe von Mytilini auf der Insel Lesbos (Foto: dpa / AP / Petros Giannakouris).

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