"Katastrophale Zustände" in den Haftzellen von Belarus

"Katastrophale Zustände" in den Haftzellen von Belarus

Ein Gespräch mit Jovanka Worner, Belarus-Expertin bei Amnesty International (AI) Deutschland, über die Lage der verhafteten Oppositionellen in Belarus

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   13.08.2020 | 08:45 Uhr

Die Zustände in den Haftzellen der in Belarus eingesperrten Lukaschenko-Gegner sind nach Einschätzung von Amnesty International "katastrophal": Wasser- und Essensmangel sowie Schlafentzug prägten die Realität der Verhafteten. Auch Schläge und andere Foltermethoden soll es gegeben haben, berichtet AI-Expertin Jovanka Worner im SR-Interview.

Gewalt und Repression gegen die Opposition haben die ersten Tage nach der Präsidentenwahl in Belarus geprägt. Am 12. August soll die Polizei in der Stadt Brest sogar mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen haben. Einige Menschen sollen bereits zu Tode gekommen, mehrere tausend festgenommen worden sein.

Mangel, Schläge, Folter

Die Haftzellen für diese Gefangenen seien schon jetzt "massiv überfüllt", berichtet Jovanka Worner, Belarus-Expertin bei Amnesty International (AI) Deutschland, im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner. Die Zustände seien "katastrophal": Wasser- und Essensmangel sowie Schlafentzug prägten die Realität der Festgesetzten. Auch Schläge und weitere Foltermethoden sollen die Behörden bereits angewendet haben, so Worner.

Forderungen von AI

Amnesty International fordere nun ein sofortiges Ende des "massiven, gewaltsamen" Vorgehens der Polizei "gegen alle friedlichen Demonstrierenden", außerdem die "bedingungslose Freilassung" jener Menschen, die "jetzt im Rahmen der Proteste - sowie vor oder nach - verhaftet worden" seien. Darüber hinaus müsse es eine "Aufklärung und Untersuchung" jener Sicherheitskräfte geben, die für die Gewaltanwendungen verantwortlich seien. Diese Verantwortlichen müssten "vor Gericht gestellt werden".

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Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 13.08.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Polizeikräfte in Minsk, die am Abend des 11. August 2020 einen Platz während eines Massenprotests nach den Präsidentschaftswahlen blockieren. (Foto: dpa / AP / Uncredited).

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