Sechs Corona-Impfprojekte in der "fortgeschrittenen Phase der klinischen Entwicklung"

Sechs Corona-Impfprojekte in der "fortgeschrittenen Phase der klinischen Entwicklung"

Ein Gespräch mit Prof. Klaus Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut über die Chancen auf einen Anti-Corona-Impfstoff

Chris Ignatzi. Onlinefassung: Rick Reitler   05.08.2020 | 15:45 Uhr

Für Prof. Klaus Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut gibt es bereits einen leisen Anlass zur Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff: Derzeit hätten von weltweit insgesamt 150 Forschungsprojekten bereits 26 den Status der klinischen Prüfung erreicht - sechs davon befänden sich bereits "in der letzten Phase vor der Zulassung".

Die Pandemie ist nicht vorbei, so lange es keinen Impfstoff gibt: Mit dieser Ansage hat Bundeskanzlerin Angela Merkel schon vor Monaten ihren Kurs klar gemacht. Immer wieder hört man von ersten Erfolgen bei der Entwicklung solch eines Impfstoffs. Doch wie realistisch ist es überhaupt, dass ein unbedenklich einsetzbares Mittel nicht erst in ein paar Jahren zur Verfügung steht?

150 Forschungsprojekte

Für Prof. Klaus Cichutek, den Präsidenten des Bundesinstituts für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, kurz, "Paul-Ehrlich-Institut", gibt es bereits einen leisen Anlass zur Hoffnung: Derzeit hätten von weltweit insgesamt 150 Forschungsprojekten bereits 26 den Status der klinischen Prüfung erreicht - sechs davon befänden sich bereits "in der letzten Phase vor der Zulassung, der Phasen zwei/drei oder drei der klinischen Prüfung". "Das ist sehr erfreulich", sagte Cichutek im Gespräch mit SR-Moderator Chris Ignatzi.

Nutzen muss Risiko "weit überwiegen"

Ob ein Produkt zugelassen werde, hänge von den "Daten zur Qualität und Herstellung" ab, die die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe belegten. Die entscheidende Frage zur Zulassung sei, ob "der Nutzen eines bestimmten Impfstoffprodukts weit gegenüber den Risiken überwiegt". Was in Europa zugelassen werde, werde auch "in Deutschland im Markt verfügbar sein".

Höheres Risiko "keine Option"

Ein größeres Risiko als sonst üblich zu wagen und einen Stoff zuzulassen, der die vorgeschriebenen Kriterien nicht vollständig erfülle, um womöglich schnell mehr Menschenleben zu retten, sei "keine Option", sagte Cichutek: "Wir müssen genauso sorgfältig sein wie sonst und Impfstoffe müssen verträglich sein und 'ne ausreichende Wirksamkeit, um eingesetzt zu werden. Und dafür steht die Zulassung, die vom Paul-Ehrlich-Istitut und von anderen Arzneimittelbehörden erteilt wird."

Voraussetzung: "ausreichende Durchimpfung"

Vielleicht werde es bereits "zu Beginn nächsten Jahres "Impfstoffzulassungen" geben - diese würden aber wahrscheinlich mit Bedingungen verknüpft sein. Bis es eine "ausreichende Durchimpfung in der Bevölkerung" gebe und die Menschen somit "im Allgemeinen wieder zu unserem Normallleben zurückkehren" könnten, werde es "sicherlich länger dauern" und "den größten Teil des nächsten Jahres" einnehmen.


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Ein Thema aus der Sendung "Der Nachmittag" vom 05.08.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt eine Laborantin mit Corona-Testmaterialien (Archivfoto: SR Fernsehen).

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