Wirecard-Skandal: "Es ist noch nicht alles lückenlos aufgeklärt"

"Es ist noch nicht alles lückenlos aufgeklärt"

Ein Interview mit Christian Petry (SPD), Mitglied des Bundesfinanzausschusses, zum Wirecard-Bilanzskandal

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   29.07.2020 | 08:30 Uhr

Der Bundestagsabgeordnete Christian Petry (SPD) hat sich als Mitglied des Bundesfinanzausschusses offen für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Insolvenzsskandal gezeigt. Unter gewissen Umständen müsse "man ernsthaft überlegen, das auch zu machen", sagte Petry im SR-Interview.

Der Bundestags-Finanzausschuss befasst sich am 29. Juli in einer Sondersitzung mit den Ungereimtheiten rund um den Insolvenzantrag des international operierenden deutschen DAX-Unternehmens Wirecard. Dabei besonders im Fokus: die Sorgfaltspflicht der Aufsichtsinstanzen - etwa der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young oder auch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Wie effektiv ist die BaFin noch?

Christian Petry, MdB (SPD) (Foto: Benjamin Morris)
Christian Petry, MdB (Archivfoto: Benjamin Morris)

Nach Einschätzung von Finanzausschuss-Mitglied Christian Petry (SPD) sei "noch nicht alles lückenlos aufgeklärt". Bislang sei lediglich deutlich geworden, dass es "unter den gegebenen Bedingungen so nicht möglich" gewesen sei, das "Geflecht" des Wirecard-Konzerns "aus Deutschland heraus lückenlos zu kontrollieren", so Petry im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue.

Er glaube, dass eine "Überprüfung der Effektivität der BaFin notwendig" sei, weil deren Rolle im gesetzlichen Ausfsichtswesen zuletzt "immer stärker und immer komplizierter geworden" sei. Die BaFin müsse "natürlich auch in ihren Durchgriffsrechten gestärkt" werden.

Ebenfalls für klärungswürdig halte er die Rolle der privaten Wirtschaftsprüfer im Fall Wirecard, sagte Petry.

Europäisch statt national?

Die Idee, dass sich künftig nicht mehr die deutsche, sondern die EU-Bankenaufsicht um international verflochtene Unternehmen wie Wirecard kümmern sollten, halte er für einen "sehr interessanten" Ansatz.

Parlamentarischer U-Ausschuss?

Auch einem Antrag anderer Parteien auf einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss in der Causa Wirecard würde sich Petry wohl nicht verschließen: Grundsätzlich sei so ein U-Ausschuss ein geeignetes Mittel, wenn "das, was jetzt gemacht wird - mit einer Sondersitzung mit Befragung, vielleicht noch einer weiteren Sondersitzung - immer noch aus der parlamentarischen Sicht Aufarbeitungsbedarf besteht", sagte Petry. Falls "dies bei der Opposition so gesehen" werde, so sei es deren "natürliches Recht", einen Untersuchungsausschuss zu fordern. "Und dann muss man ernsthaft überlegen, das auch zu machen", sagte Petry.

Mehr zum Thema:

Wirecard-Skandal
Anleger bleiben wohl auf Verlusten sitzen
Der Verbraucherschützer Thomas Beutler glaubt nicht, dass Wirecard-Aktionäre ihre Börsenkursverluste noch ersetzt bekommen werden. Womöglich sei Betrug im Spiel; die Haftung sei nicht geklärt. Im SR-Interview erinnerte er an eine goldene Anlageregel.


Die Glosse zum Thema im Archiv:

Alfons à la maison
Wirecard und die verschwundenen Millionen
Nach einem milliardenschweren Bilanzskandal hat der deutsche Zahlungsdienstleister Wirecard am 25. Juni 2020 beim Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. In eben diesen Minuten hat sich auch Alfons in seinem Home-Office ein paar Gedanken um die verschwundenen Milliarden des gescheiterten DAX-Hoffnungsträger gemacht. Eine Glosse.

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 29.07.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt das Wirecard-Gebäude in Aschbeim bei München (Foto: dpa / picture alliance / Peter Kneffel).

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja