Wirecard-Skandal: Anleger bleiben wohl auf Verlusten sitzen

Anleger bleiben wohl auf Verlusten sitzen

Ein Interview mit Thomas Beutler, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale des Saarlandes, über die Kursverluste bei der insolventen Wirecard AG

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   29.07.2020 | 07:45 Uhr

Der Verbraucherschützer Thomas Beutler glaubt nicht, dass Wirecard-Aktionäre ihre Börsenkursverluste noch ersetzt bekommen werden. Womöglich sei Betrug im Spiel; die Haftung sei nicht geklärt. Im SR-Interview erinnerte er an eine goldene Anlageregel.

Das deutsche DAX-Unternehmen Wirecard hat sich nach aktuellem Stand der Dinge auf Grundlage falscher Bilanzdaten wohl Kredite in Millionenhöhe erschlichen. Doch irgendwann platzte das Konstrukt; Wirecard meldete vor wenigen Wochen Insolvenz an - obwohl die Politik das Unternehmen jahrelang hofiert und Bilanzprüfer nur Bestnoten ausgestellt hatten.

Betrug?

Tausende vertrauensvolle Aktionäre bleiben wohl auf ihren Verlusten sitzen. Für manchen ist die Altersvorsorge zerstört. Auch Thomas Beutler, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale in Saarbrücken, ist pessimistisch: "Ich glaub', dass die Aktie selber sich nicht mehr erholen wird", sagte er im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Obwohl teilweise bis zu 99 Prozent des einstigen Aktienkurses verloren gegangen seien, sei die Haftungsfrage noch nicht geklärt - und Betrug könne man "nie ganz ausschließen", sagte Beutler. "In dem Fall ist es natürlich besonders auffällig, denn es wurde ja über Jahre hinweg immer wieder geprüft von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft", gab Beutler zu bedenken.

Anlagegeld immer streuen

Der Finanzexperte mahnte zu einer goldenen Anlageregel: Um Risiken zu minimieren, sollte man bei der Geldanlage nie nur auf ein Unternehmen setzen, sondern möglichst breit streuen, zum Beispiel mit dem Kauf von DAX-Indexfonds oder Anteilen des MSCI World Index Fonds.

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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 29.07.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt mit Münzen gefüllte Gläser (Foto: pixabay / nattanan23).

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