"Die Hagia Sophia wird nicht mehr das sein, als was man sie vielleicht kennt"

"Die Hagia Sophia wird nicht mehr das sein, als was man sie vielleicht kennt"

Ein Gespräch mit Istanbul-Korresponent Christian Buttkereit kurz vor dem ersten Freitagsgebet in der Hagia Sophia

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   24.07.2020 | 07:45 Uhr

Nach der Umwidmung der Hagia Sophia vom Museum zur Moschee geht Türkei-Korrespondent Christian Buttkereit davon aus, dass das "harmonische Nebeneinander" christlicher und muslimischer Kunst "nur noch mit Einschränkungen" zu sehen sein wird. Innerhalb der Türkei sei die Maßnahme von Präsident Erdogan durchaus umstritten.

Die Hagia Sophia im heutigen Istanbul war einst Zentrum der Christenheit im Römischen Reich, später dann über Jahrhunderte Moschee und seit mehr als 80 Jahren Museum. Vor wenigen Tagen hat der Präsident der Republik Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, das Gebäude wieder zur Moschee umwidmen lassen. Am 24. Juli soll das erste Freitagsgebet stattfinden.

Vorhänge gegen christliche Symbole

Türkei-Korrespondent Christian Buttkereit geht davon aus, dass das "harmonische Nebeneinander von christlichen und muslimischen Symbolen nur noch mit Einschränkungen" zu sehen sein wird, weil die Jahrhunderte alten christlichen Abbildungen zumindest während der islamischen Gebetszeiten mit einem Vorhangsystem verdeckt werden. Auch die Bodenmosaike würden wegen des großen Gebetsteppiches "nur noch in kleinen Bereichen zu sehen" sein, sagte Buttkereit im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue. Insgesamt werde die Hagia Sophia damit "nicht mehr das sein, als was man sie vielleicht kennt".

Innerhalb der Türkei sei diese Erfüllung eines Wahlversprechens von Erdogan allerdings durchaus umstritten.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 24.07.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt das Weltkulturerbe Hagia Sophia in Istanbul (Foto: dpa / Marius Becker).

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