EU-Sondergipfel: "Ich glaub', die Nerven liegen blank"

"Ich glaub', die Nerven liegen blank"

Ein Gespräch mit Brüssel-Korrespondent Alexander Göbel zum Stand der Dinge beim EU-Sondergipfel am Morgen des 20. Juli

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   20.07.2020 | 07:45 Uhr

Nach Einschätzung von Brüssel-Korrespondent Alexander Göbel sind die Fronten beim EU-Sondergipfel auch nach drei Tagen Verhandlungsmarathon noch immer verhärtet. Womöglich hätten Angela Merkel und Emmanuel Macron ihre Überzeugungskraft gegenüber den "sparsamen Vier" nicht richtig eingeschätzt, so Göbel im SR-Interview.

Nach einer durchverhandelten Nacht wurden die Gesprächsrunden des EU-Sondergipfels zur Frage, welches Land wieviele Milliarden unter welchen Bedingungen bekommen soll, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern, am frühen Morgen wieder unterbrochen. Gegen 16.00 Uhr wollen die Verhandlungsprtnerinnen und Verhandlungspartner weiter verhandeln.

Fronten nach wie vor verhärtet

Offenbar sind die Fronten zwischen Deutschland und Frankreich einerseits und Österreich, Dänemark, Schweden, Finnland und den Niederlanden andererseits nach wie vor verhärtet, wie Brüssel-Korrespondent Alexander Göbel im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue bestätigte. "Es geht auch noch um die Rabatte beim EU-Haushalt, der ja auch noch mitverhandelt werden muss", ergänzte Göbel.

Sparsame Länder wehren sich

Der Knackpunkt: Während südliche Länder wie Spanien oder Italien vor allem finanziell in großen Schwierigkeiten steckten, stünden die Regierungsvertreter der "sparsamen" fünf Staaten innenpolitisch unter Druck - allen voran der Niederländer Mark Rütte und der Österreicher Sebastian Kurz. Rütte beispielsweise habe im Frühjahr 2021 eine Wahl zu überstehen.

Grenze des deutsch-französischen Motors?

Offenbar hätten Angela Merkel und Emmanuel Macron unterschätzt, "dass sie nicht mehr einfach in den Ländern des Nordens jetzt auch sagen können, wie's denn gemacht wird", so Göbel. Womöglich sei man in der EU an der "Grenze dieses deutsch-französischen Motors" angelangt.

Weitere Informationen:

tagesschau.de: Verhandlungen über Corona-Hilfen
EU-Gipfel geht in den vierten Tag
Nachdem die Nacht noch kein Ergebnis brachte, gehen die Staats- und Regierungschefs der EU bis zum Nachmittag in eine Verhandlungspause. Ausgerechnet zwei, die kritisiert wurden, sind nun zuversichtlich.

Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 20.07.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Mark Rutte (l-r), Ministerpräsident der Niederlande, Sebastian Kurz, Bundeskanzler von Österreich, Mette Frederiksen, Ministerpräsidentin von Dänemark, Stefan Löfven, Ministerpräsident von Schweden, und Sanna Marin, Ministerpräsidentin von Finnland, bei einer Konferenz im Rahmen des EU-Sondergipfels am Hauptsitz der Europäischen Union (Foto: dpa / picture alliance / European Union / XinHua).

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