"Türkei nicht geneigt, Signale der Freundschaft auszusenden"

"Türkei nicht geneigt, Signale der Freundschaft auszusenden"

Ein Gespräch mit Türkei-Korrespondent Christian Buttkereit zum Fall Deniz Yücel

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   16.07.2020 | 07:15 Uhr

Türkei-Korrespondent Christian Buttkereit geht davon aus, dass der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel mit einer Haftstrafe durch das Gericht in Istanbul rechnen kann. Der Grund dafür liege vor allem im aktuell angespannten Verhältnis zwischen Ankara und Berlin. Ein Interview.

Fast ein Jahr lang hatte der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel 2017 und 2018 in der Türkei im Gefängnis gesessen - damals ohne Anklage. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Yücel soll mit einem seiner Texte über die Türkei Terrorpropaganda verbreitet bzw. Volksverhetzung betrieben haben. Seit knapp zweieinhalb Jahren ist Yücel zwar wieder auf freiem Fuß und zurück in Deutschland, der Prozess gegen ihn läuft aber immer noch - und könnte am 16. Juli in Istanbul zum Abschluss kommen.

Angespanntes Verhältnis

Türkei-Korrespondent Christian Buttkereit geht davon aus, dass ein Urteil gefällt werden wird, das im Interesse der Deutschlandpolitik der türkischen Regierung liegen könnte - und dies deute beim aktuell angespannten Verhältnis Ankara/Berlin auf eine Verurteilung Yücels hin.

"In diesem Fall kann ich mir eben nicht vorstellen, dass das ohne Haftstrafe ausgeht", sagte Buttkereit im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. Denn die türkische Regierung sei momentan "nicht geneigt, Signale der Freundschaft auszusenden". Sollte der Journalist zu einer Haftstrafe verurteilt werden, käme das praktisch einem Einreiseverbot gleich.

Mehr über Yücel:

Buchtipp
"Agentterrorist"
Über seine Zeit in der Haft hat der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel ein Buch verfasst. Im Oktober 2019 stellte Yücel sein Buch erstmals vor - und zwar in der Haftanstalt Berlin-Moabit.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 16.07.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Archivfoto ganz oben zeigt den WELT-Journalisten Deniz Yücel im Jahr 2019 (Foto: dpa / picture alliance / Michael Kappeler).

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