Frankreich: "Antidemokratische Form" des Islam "auf dem Vormarsch"

"Antidemokratische Form" des Islam "auf dem Vormarsch"

Ein Gespräch mit Prof. Susanne Schröter, Gründerin und Leiterin des von ihr gegründeten "Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam", über zehn Jahre "Burkaverbot" in Frankreich

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   13.07.2020 | 07:15 Uhr

Zehn Jahre nach dem "Burkaverbot" in Frankreich ist die Debatte um das Gesetz wieder aufgeflammt. Für die Frankfurter Ethnologin Prof. Susanne Schröter beharrt zwar nur eine "kleine Minderheit" auf ihrem Willen zur Vollverschleierung - diese Menschen aber gehörten einer "antidemokratischen, illiberalen" und "faschistischen" Form des Islam an, so Schröter im SR-Interview.

Die Vollvermummung mittels Gesichtsschleier ("Nikab") ist in Frankreich seit zehn Jahren verboten: Am 13. Juli 2010 hatte die Nationalversammlung das "Burkaverbot" verabschiedet. In Kraft trat es dann am 11. April 2011. Seitdem ist die Debatte nicht verstummt - und zuletzt wegen der Corona-Maskenpflicht wieder aufgeflammt.

"Kleine Minderheit" betroffen

In Frankreich sei aktuellen Studien zufolge eine "bestimmte Form des Islam, nämlich eine antidemokratische und illiberale Form, die zudem auch noch Frauen auf drastische Weise abwertet", auf dem "Vormarsch", erklärte Prof. Susanne Schröter, Ethnologin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Direktorin des von ihr gegründeten "Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam" im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. Die überzeugtesten Anhängerinnen dieses Islam trügen eben einen Gesichtsschleier. Diese stellten allerdings nur eine "kleine Minderheit" dar.

"Faschistische Ausprägung von Religion"

Sie selbst bekenne sich zu dem Burkaverbot in Frankreich: "Ich bin eine Verteidigerin des Vollverschleierungsverbotes", sagte Schröter, "weil ich diese Art des Islams für eine faschistische Ausprägung von Religion halte, die nicht nur Frauen unterdrückt, sondern auch in vielfacher anderer Weise unterdrückend wirkt". Man dürfe sich "aber nicht der Illusion hingeben, dass ein Verschleierungsverbot alleine jetzt da ein Stoppschild setzt", so Schröter.

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Audio [SR 2, Sabine Wachs, 13.07.2020, Länge: 03:35 Min.]
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Burka oder Nikab - das sind Kleidungsstücke für muslimische Frauen, die das Gesicht ihrer Trägerin fast komplett verdecken. In Frankreich wurde vor genau zehn Jahren ein Gesetz verabschiedet, nachdem eine solche Vollverschleierung auf Frankreichs Straßen, in Bussen, Bahnen und öffentlichen Gebäuden verboten ist. Spätestens seit der Einführunge der Corona-Maskenpfllicht in weiten Teilen Europas wird das "Burka-Verbot" in Frankreich wieder diskutiert, wie SR-Korrespondentin Sabine Wachs berichtet.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 13.07.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt zwei Frauen mit Nikab-Vollschleier in einem Hamburger Gerichtsgebäude (Archivfoto: dpa / Christian Charisius).

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