Saarland beim Thema "grüner Wasserstoff" nur zweite Wahl

Saarland beim Thema "grüner Wasserstoff" nur zweite Wahl

Ein Gespräch mit Dr. Michael Brand, Geschäftsführer des Instituts für Zukunftsenergie und Stoffstromsysteme (IZES) in Saarbrücken über Wasserstoff als Energieträger

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   09.07.2020 | 07:45 Uhr

Die Landesregierung will das Saarland zu einer Wasserstoff-Modellregion machen. Als Produktionsstandort für so genannten "grünen Wasserstoff" aber wäre das Saarland nach Ansicht von IZES-Geschäftsführer Dr. Michael Brand nicht unbedingt die erste Wahl: Zu gering sei hierzulande der Anteil an erneuerbaren Energien.

Um "grünen" Wasserstoff in industriellem Ausmaß herzustellen, wäre das Saarland nicht unbedingt die erste Wahl: Aus Sicht von Dr. Michael Brand, dem Geschäftsführer des Instituts für Zukunftsenergie und Stoffstromsysteme (IZES) in Saarbrücken, gibt es dafür auch in Deutschland besser geeignete Regionen.

Anteil erneuerbarer Energien bei 20 Prozent

Der Grund: Die Wasserstoff-Herstellung per Elektrolyse-Verfahren koste sehr viel Strom. Dieser Strom müsse allerdings aus erneuerbaren Energien stammen, um von "grünem Wasserstoff" reden zu können, so Brand im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner. Der Anteil an erneuerbaren Energien im Saarland liege momentan aber lediglich bei etwa 20 Prozent.

Generell eigne sich der Energieträger Wasserstoff (H2) gut für den Einsatz in Autos, Bussen, LKWs und irgendwann womöglich sogar in Flugzeugen, so Brands Hoffnung. Auch in Industrieprozessen - etwa in der Stahlindustrie - könne das Gas irgendwann eine größere Rolle spielen.

Drei "Farben" - je nach Energiequelle

Von "grauem Wasserstoff" spreche man, so Brand, wenn das Gas nur als Abfallprodukt aus anderen energieintensiven Produktionsprozessen entstehe - etwa in der chemischen Industrie. Die dort verwendete Energie stamme in der Regel nicht aus erneuerbaren Quellen, sondern beispielsweise aus Kohle- oder Atomkraftwerken.

"Grauer Wasserstoff" könne aber auch zu "blauem Wasserstoff" werden - nämlich wenn das bei seiner Produktion anfallende CO2 aufgefangen und anderweitig genutzt werden könne, erklärte Brand.

Von "grünem Wasserstoff" spreche man dagegen, wenn zur Herstellung des Wasserstoffs ausschließlich erneuerbare Energien verwendet würden.

Hintergrund:

Die Europäische Union will in den nächsten zehn Jahren vermehrt auf den Energieträger Wasserstoff setzen. Das Gas gilt als besonders umweltfreundlich, weil bei seiner Verbrennung keine schädlichen Abgase, sondern nur Wasserdampf entsteht. Für die Herstellung aber sind große Mengen an elektrischer Energie nötig.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 09.07.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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