Musikrat zum EU-Kulturbudget: "Das ist einfach peinlich"

"Das ist einfach peinlich"

Ein Gespräch mit Prof. Christian Höppner, dem Generalsekretär des Deutschen Musikrats, zum Kulturhaushalt der EU

Sally-Charell Delin. Onlinefassung: Rick Reitler   01.07.2020 | 14:30 Uhr

Nach Meinung von Prof. Christian Höppner vom Deutschen Musikrat sind die von der EU für die nächsten sieben Jahre in Aussicht gestellten 1,52 Milliarden Euro für die Kulturbranche bei Weitem nicht genug. Immerhin falle der Kultur gerade jetzt die wichtige Aufgabe zu, "den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern", so Höppner im SR-Interview.

Deutschland hat seit dem 1. Juli 2020 für sechs Monate die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union inne. Welche finanziellen Akzente im EU-Haushalt sind in Corona-Zeiten besonders wichtig? Zum Beispiel die Kultur, meint Prof. Christian Höppner, der Generalsekretär des Deutschen Musikrates, im Gespräch mit SR-Moderatorin Sally-Charell Delin.

Eine wichtige Aufgabe

Nach Meinung Höppners sind die in Aussicht gestellten 1,52 Milliarden Euro Fördergeld für die nächsten sieben Jahre bei Weitem nicht genug: Dieser Vorschlag reiche noch nicht einmal an die Ursprungsidee der Kommission heran, obwohl das EU-Parlament sogar eine Verdopplung des Etats gefordert habe. Immerhin falle der Kultur gerade jetzt die wichtige Aufgabe zu, "den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern".

"Nicht mal nur ein Klacks"

Für den Kultur-Haushaltsposten also nur "0,08 Prozent des Gesamtpaketes" aus dem EU-Programm "Kreatives Europa" zur Verfügung stellen zu wollen, sei "noch nicht mal nur ein Klacks", sondern "einfach peinlich", sagte Höppner. "Mit diesen Summen kann man einfach nicht viel machen."

"Montagshandeln" statt "Sonntagsreden"

Für die Betroffenen drohten "soziale Nöte ungekannten Ausmaßes", für die gesamte Branche ein "Raubbau an der kulturellen Vielfalt". Er fordere deshalb "Montagshandeln" statt "Sonntagsreden".

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Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 01.07.202 auf SR 2 KulturRadio. Das Porträtbild ganz oben zeigt Prof. Christian Höppner (Pressefoto: DMR).

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