Ratspräsidentschaft Deutschlands: EU vor "Zerreißprobe"?

Staatenbund vor der "Zerreißprobe"?

Ein Gespräch mit Hauptstadtkorrespondentin Angela Ulrich über die Lage der EU wenige Tage vor Beginn der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   23.06.2020 | 07:45 Uhr

Die wichtigste Aufgabe Deutschlands während seiner nahenden EU-Ratspräsidentschaft sei, den Zusammenhalt des Staatenbunds aufrecht zu erhalten, meinte Hauptstadtkorrespondentin Angela Ulrich im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. Das bedeute allerdings nicht, dass Themen wie etwa der Klimawandel unwichtiger geworden seien.

Rund ein Jahr lang hatte sich die Bundesregierung bereits auf die sechs Monate währende Zeit ihrer EU-Ratspräsidentschaft vorbereitet. Nun wird es ab dem 1. Juli wohl weniger um den Brexit, um China oder um den Klimawandel gehen, sondern vielmehr um das Thema Corona und seine Kosten.

Zusammenhalt Gebot der Stunde

Das Wichtigste überhaupt sei nun allerdings das Zusammenhalten Europas, meint Hauptstadtkorrespondentin Angela Ulrich im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. Der Staatenbund EU stehe zurzeit vor "einer Zerreißprobe". Das habe auch die Bundeskanzlerin in ihrer Regierungserklärung klar gestellt.

Herausforderung als Chance

Die Dominanz des Corona-Themas heiße aber nicht, "dass die anderen Themen unwichtiger geworden" seien. So könnten beispielsweise jene Milliarden, die aufgrund der Corona-Pandemie bereit gestellt werden sollen, auch "nachhaltig" für Klimaschutz-Politik genutzt werden. "Das ist die Hoffnung zumindest, dass diese Herausforderung vielleicht am Ende auch zu 'ner Chance für die deutsche Ratspräsidentschaft werden könnte", so Ulrich.

Der andere Blickwinkel:

Große Erwartungen?! Frankreich und die deutsche EU-Ratspräsidentschaft
Audio [SR 2, Martin Bohne, 23.06.2020, Länge: 04:06 Min.]
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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 23.06.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt die Fahnen Frankreichs, der EU und Deutschlands (Foto: SR Fernsehen).

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