"Es ist ein gesamtdeutsches Problem, der Rechtsextremismus"

"Es ist ein gesamtdeutsches Problem, der Rechtsextremismus"

Ein Gespräch mit dem Rechtsextremismus-Experten Jörn Didas, Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel, zum Auftakt des Prozesses im Mordfall Walter Lübcke

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   16.06.2020 | 07:15 Uhr

Der Rechtsextremismus-Experte Jörn Didas hat anlässlich des Prozessauftakts im Mordfall Walter Lübcke an die mehr als 200 Todesopfer rechtsextremer Gewalt erinnert, die seit 1990 deutschlandweit gezählt worden seien - darunter 13 Opfer, die erst nach dem Tod Lübckes getötet worden seien. Ein Interview.

Ab dem 16. Juni müssen sich die beiden Angeklagten Stephan E. und Markus H. im Mordfall um den vor einem Jahr getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke vor Gericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten aus Nordhessen vor, aus rechtsradikaler Gesinnung gehandelt zu haben. Vorerst wurden 30 Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil ist wohl frühestens Ende des Jahres zu rechnen.

Seither 13 neue Todesfälle

Jörn Didas, Rechtsextremismus-Experte am Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel, erinnerte im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger an die mehr als 200 Todesopfer rechtsextremer Gewalt, die seit 1990 deutschlandweit verzeichnet worden seien - darunter 13 Opfer, die erst nach dem Tod Lübckes umgebracht worden seien. Eine große Rolle bei der Radikalisierung von Gewalttätern spiele das Internet, so Didas. Generell sei Rechtsextremismus nicht auf eine bestimmte Region begrenzt: "Es ist ein gesamtdeutsches Problem."

"Seit dem Mordfall Lübcke sind viele Politiker aufgeschreckt"
Audio [SR 3, Interview Michael Friemel / Olaf Sundermeyer, 16.06.2020, Länge: 03:53 Min.]
"Seit dem Mordfall Lübcke sind viele Politiker aufgeschreckt"
SR-Moderatort Michael Friemel hat mit dem Journalisten, Autor und Extremismusexperten Olaf Sundermeyer über den Mordfall Lübcke gesprochen.


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Ermittlungsstand nach einem Jahr
Mord an Walter Lübcke
Am 1. Juni 2019 wurde der damalige Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke auf der Terasse vor seinem Haus erschossen. Zwei Wochen nach dem Attentat wurde Stephan E. festgenommen, der die Tat erst gestand, später aber sein Geständnis wieder zurücknahm. Ende April hat die Bundesanwaltschaft Stephan E. angeklagt. SR-Moderator Jochen Marmit hat mit Gerichtsreporterin Heike Borufka über den Stand der Ermittlungen gesprochen.

Kabinettsausschuss gegen Rechtsextremismus und Rassismus
"Phänomen Rechtsextremismus" jahrelang falsch eingeschätzt
Der Rechtsextremismus-Experte Olaf Sundermeyer hat im SR-Interview anlässlich der ersten Tagung des Kabinettsausschuss gegen Rechtsextremismus und Rassismus weitere Schritte im Kampf gegen die extreme Rechte gefordert. Jahrelang sei das Phänomen falsch eingeschätzt worden.

Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" am 02.06.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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