Kommentar zum Aus für Gusswerke Saarbrücken

Aus für Gusswerke Saarbrücken

Ein Kommentar zum Aus der Gusswerke Saabrücken von SR-Wirtschaftsredakteur Wolfgang Wirtz-Nentwig

Wolfgang Wirtz-Nentwig   04.06.2020 | 08:00 Uhr

Es gibt Tage, die würde man am liebsten aus dem Kalender streichen. Gestern war ein solcher Tag. Natürlich für die noch verbliebenen Beschäftigten von Halberg Guss und ihre Familien. Aber auch für viele, die über so lange Zeit mit ihnen zusammen um jeden Arbeitsplatz gekämpft haben. Aus den offiziellen Verlautbarungen zum Ende dieser Firma spricht viel mehr als die in solchen Fällen üblichen Floskeln der Betroffenheit. Es ist eine gehörige Portion Wut und echte Trauer. Beides zurecht. Selbst die sturmerprobte Wirtschaftsministerin musste mit den Tränen kämpfen.

Ein trauriges Ende

Wolfgang Wirtz-Nentwig (Foto: SR)
Wolfgang Wirtz-Nentwig

Denn hier geht es um viel mehr als einen Standort mit zuletzt noch 230 Menschen. Es geht um ein Traditionsunternehmen, dessen Wurzeln über 260 Jahre zurückreichen, das alle Krisen und Kriege überlebt hat. Das sich immer wieder neu erfunden und neue Nischen gefunden hatte.

Die aktuelle Belegschaft hat mit unermüdlicher Energie auch unter schwierigsten Bedingungen Top-Qualität geliefert und nie aufgegeben, egal wie ihre Firma gerade mal wieder umbenannt wurde. Dafür bekam sie zu Recht die besondere Unterstützung der Gewerkschaft, der Landesregierung und der breiten Öffentlichkeit. Viele haben sich bemüht, Liquidität zu sichern, alte Kunden zu halten und neue zu gewinnen – oder neue, bessere Eigentümer zu finden.

Miserables Managment

Aber - man muss es so drastisch sagen: Gegen die mutwillige Zerstörung durch das eigene Management ist kein Kraut gewachsen. Das Unternehmen wurde insbesondere von der Prevent-Gruppe mit ihren vulgär-kapitalistischen Methoden systematisch ruiniert. Der Umgang mit wichtigen Kunden und den eigenen Leuten war unterirdisch. Und danach wurde es nicht viel besser. Ausscheidenden Mitarbeitern wurden Abfindungen fest versprochen, aber nie gezahlt. Für die betroffenen Familien ein schlimmer Vertrauensbruch und eine finanzielle Tragödie, für die es kaum einen vergleichbaren Fall gibt.

Am Ende konnte auch der renommierte Insolvenzverwalter Franz Abel nichts mehr retten. Zu den selbst verursachten Problemen kam die Verunsicherung in der Autoindustrie und der Corona-Schock: Da wollte auch der letzte verbliebene Kunde keine langfristigen Zusagen mehr machen. Besonders bitter für die betroffenen Mitarbeiter: Gerade jetzt, in der Krise, ist es fast unmöglich, einen halbwegs adäquaten neuen Arbeitsplatz zu finden.

Das Saarland wird künftig noch härter als bisher jeden industriellen Posten verteidigen müssen. Jobs mit hoher Wertschöpfung. Mit denen man auch ohne Uni-Abschluss eine Familie ernähren kann. Was davon einmal weg ist, kommt nicht wieder. Weder bei den Gusswerken noch sonstwo. Ja, in diesem Fall ging der Kampf verloren. Aber es war richtig und wichtig, ihn zu führen, so lange es ging.

Über dieses Thema wurde auch in "Der Morgen" am 04.06.2020 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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