Heike Borufka zum Ermittlungsstand im Fall "Walter Lübcke"

Mord an Walter Lübcke

Gerichtsreporterin Heike Borufka zum Ermittlungsstand im Fall "Walter Lübcke" nach einem Jahr

Jochen Marmit, Heike Borufka   02.06.2020 | 08:20 Uhr

Am 1. Juni 2019 wurde der damalige Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke auf der Terasse vor seinem Haus erschossen. Zwei Wochen nach dem Attentat wurde Stephan E. festgenommen, der die Tat erst gestand, später aber sein Geständnis wieder zurücknahm. Ende April hat die Bundesanwaltschaft Stephan E. angeklagt. SR-Moderator Jochen Marmit hat mit Gerichtsreporterin Heike Borufka über den Stand der Ermittlungen gesprochen.

Bei der Anklage von Stephan E. handele es sich um eine reine Mordanklage, erklärte Gerichtsreporterin Heike Borufka im SR-Interview mit Jochen Marmit. Ihrer Einschätzung nach hat die Bundesanwaltschaft, die die Anklage erhoben hatte, sehr sorgfältig ermittelt. Man gehe letztendlich "nicht von irgendwelchen terroristischen Strukturen" aus.

Mord wahrscheinlich lange geplant

Auf einer öffentlichen Veranstaltung im Oktober 2015 hatte Walter Lübcke über ein geplantes Flüchtlingsheim im nordhessischen Lohfelden informiert und damit bei einigen Bürgern für Missmut gesorgt. Dabei soll Lübcke gesagt haben: "Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen." Einige, dem rechten Milieu zugehörige Besucher hatten die Veranstaltung mitgefilmt und veröffentlichten aus dem Zusammenhang gerissene Aufnahmen im Internet. Damit lösten sie eine regelrechte Hasswelle aus.

Stephan E. und der Mitangeklagte Markus H. sollen den Hass auf Plattformen wie YouTube immer wieder entfacht und angestachelt haben. Gleichzeitig soll Stephan E. immer wieder zum Haus von Walter Lübcke gefahren sein, um ihn auszuspähen und den Mord zu planen. In der Nacht zum 2. Juni 2019 soll er die Tat dann vollzogen haben.

Der Prozess beginnt am 16. Juni. Vor Ende des Jahre könne man nicht mit einem Urteil rechnen, so Borufka.

Über dieses Thema wurde auch in "Der Morgen" am 02.06.2020 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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