Familienalltag zwischen Stress und Entschleunigung

Alltag zwischen Stress und Entschleunigung

Ein Gespräch mit der Familienforscherin Prof. Sabine Andresen, Goethe-Universität Frankfurt am Main, über Familien in der Corona-Krise

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   28.05.2020 | 08:50 Uhr

Für die Familienforscherin Prof. Sabine Andresen stehen seit Beginn der Corona-Krise besonders die Mütter unter Druck. Auf der anderen Seite gebe es auch Menschen, für die "tatsächlich so etwas wie Entschleunigung" eingetreten sei. Ein Interview.

Seit rund zehn Wochen hat sich das Familienleben in Deutschland gewandelt wie wohl noch nie zuvor in so kurzer Zeit: Wegen der Ausgangsbeschränkungen, Kontaktsperren und Schul- und Kitaschließungen müssen viele Mütter und Väter den Alltag zwischen Arbeit und Kinderbetreuung zuhause meistern.

"Kaum noch Energie und Kraft"

Für die Familienforscherin Prof. Sabine Andresen von der Goethe-Universität Frankfurt am Main stehen besonders die Frauen unter Druck. "Die Mütter geben selbst an, dass sie kaum noch Energie und Kraft haben, dass sie sich überfordert fühlen und dass sie mit der Ungewissheit schwer klarkommen", sagte Andresen mit Verweis auf ihre aktuelle Studie. Auf der anderen Seite gebe es auch Menschen, für die im Lockdown "tatsächlich so etwas wie Entschleunigung" eingetreten sei.

Wertschätzung? "Luft nach oben"

Im politischen Diskurs - Stichwort Wertschätzung - gebe es in jedem Fall "noch sehr viel Luft nach oben", so Andresen im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding: 60 Prozent der für die Studie befragten Personen hätten angegeben, dass sie "gar nicht oder kaum den Eindruck" hätten, "dass ihre spezifischen Belastungen anerkannt und gehört" würden.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 28.05.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt eine junge Familie (Foto: Pixabay / Stephanie Pratt).

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