Christophe Arend über Lothringer zwischen Trauer und Wut

"Jetzt müssen wir geduldig alles wieder aufbauen"

Ein Gespräch mit dem Forbacher Parlamentsabgeordneten Christophe Arend über Lothringer zwischen Trauer und Wut

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   27.05.2020 | 08:45 Uhr

Der Forbacher Parlamentsabgeordnete Christophe Arend hat im SR-Interview gefordert, die Grenzen zwischen Deutschland und Frankreich so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Bei einer "zweiten Welle" oder einen "anderen Pandemie" müsse man besser zusammenarbeiten - "und zwar so früh wie möglich".

Seit Beginn der Corona-Krise und den Grenzschließungsmaßnahmen hat die Kultur des Miteinanders zwischen Deutschland und Frankreich zum Teil arg gelitten. Vor allem in der Grenzregion wurden Ressentiments gegen die Nachbarn aus Lothringen wieder spürbar.

"Verlust an Vertrauen"

Christophe Arend (Foto: Lisa Huth)
Christophe Arend (Foto: Lisa Huth)

Seine Landsleute seien traurig und verstünden nicht, wie es dazu habe kommen können, bedauerte Christoph Arend, der Forbacher Abgeordnete in der Pariser Nationalversammlung, im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. Es habe einen "Verlust an Vertrauen" gegeben. Manche Menschen in Lothringen empfänden Wut über das Verhalten der saarländischen Seite und würden deshalb wohl nicht so schnell wieder über die Grenze fahren wollen. Trotzdem gehe es nun darum, die Grenzverhältnisse "so schnell wie möglich" wieder zu normalisieren - schon wegen der enormen wirtschaftlichen Schäden.

"Das Unmögliche ist passiert"

"Jetzt müssen wir geduldig das alles wieder aufbauen, wo wir Jahrzehnte dran gearbeitet hatten, weil auf einmal das Unmögliche passiert ist: Deutschland schließt unilateral die Grenzen", beklagte Arend in Anspielung auf die Corona-Politik des saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU). Bei einer "zweiten Welle" oder einen "anderen Pandemie" müsse man besser zusammenarbeiten, forderte Arend, "und zwar so früh wie möglich".

Einschränkungen seit Mitte März

Video [aktueller bericht am Sonntag, 15.03.2020, Länge: 6:08 Min.]
Tobias Hans erläutert die Grenzschließungspläne

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hatte sich Mitte März entschlossen, die Grenzen zu Frankreich und Luxemburg zu schließen.

Inzwischen gibt es wieder Erleichterungen beim Grenzübertritt; Kontrollen finden nur noch stichprobenartig statt. Von völliger Freiheit und Normalität im Grenzverkehr ist jedoch noch keine Rede.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 27.05.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt eine Grenzkontrolle an der saarländisch-lothringischen Grenze (Foto: SR Fernsehen).

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