"Wir müssen über Minijobber mit Behinderung reden"

"Wir müssen über Minijobber mit Behinderung reden"

Ein Gespräch mit dem Landesbehindertenbeauftragten Prof. Daniel Bieber über die Situation von Menschen mit Behinderung am Corona-gebeutelten Arbeitsmarkt

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   26.05.2020 | 10:30 Uhr

Der Landesbehindertenbeauftrage Prof. Daniel Bieber hat im SR-Interview angeregt, die "Defizitperspektive" zu verlassen, die viele Betriebe gerade jetzt gegenüber Mitarbeitern mit Handycap einnähmen. Die Lage von behinderten Minijobbern habe sich bereits verschärft, mahnte Bieber - und verwies auf die vielfältigen Fördermöglichkeiten.

Prof. Daniel Bieber (Foto: iso-Institut)
Prof. Daniel Bieber (Foto: ISO Institut)

Menschen mit Handycap haben es auf dem Arbeitsmarkt nicht immer leicht. Das Risiko des Jobverlusts könnte angesichts der Corona-Krise noch weiter an Schärfe gewinnen, vermutet Prof. Daniel Bieber, der saarländische Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen.

Die Perspektive wechseln

Gerade Bezieher von Erwerbsminderungsrente, die normalerweise nebenbei einem Minijob nachgingen, hätten in den vergangenen Wochen auf das Zubrot verzichten müssen. "Wir reden viel über Lufthansa und andere große Konzerne, aber über die Minijobber, die Behinderung haben, müssten wir dann auch ein bisschen reden", sagte Bieber im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit.

Er gehe allerdings davon aus, dass "die normale betriebliche Auslese" eine größere Rolle spiele als etwa eine Geringschätzung der Mitarbeiter mit Handycap. Es handele sich vielmehr um eine "Defizitperspektive" nach dem Motto "Was können die Leute nicht?". Besser sei die Frage, was die Leute noch leisten könnten.

Vielfältige Fördermöglichkeiten

Generell sei es "erschreckend", wie viele Betriebe sich seiner Erfahrung nach nicht mit den staatlichen Fördermaßnahmen auskennen würden - auch wenn "Geld alleine" nicht ausreiche, um behinderte Muitarbeiter zu unterstützen.

Hintergrund: Diversity-Tag 26. Mai

Der 26. Mai ist in Deutschland der Tag der Diversität: Es geht um die Vielfalt und das Miteinander angeichts unterschiedlicher Geschlechter, Nationalitäten, ethnischer Herkunft, Behinderung, Religion oder Weltanschauung. Der SR und auch alle anderen ARD-Anstalten haben sich der Initiative "Charta der Vielfalt" angeschlossen.
[Offizielle Webseite: https://www.charta-der-vielfalt.de]

Mehr zum Diversity-Tag:

Dossier
Vielfalt am Diversity-Day
Am Diversity-Day am Dienstag berichtete der Saarländischer Rundfunk ausführlich über Vielfalt im Saarland und der Welt. Im Mittelpunkt standen die gesellschaftliche Bedeutung von Diversität und ihre Herausforderungen im beruflichen Alltag.

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 26.05.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt einen Menschen mit Rollstuhl (Archivfto: SR Fernsehen).

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja