Grundrente: "Ein Tropfen im Ozean, bestenfalls"

"Ein Tropfen im Ozean, bestenfalls"

Ein Interview mit Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz über den Grundrenten-Streit im Bundestag

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   15.05.2020 | 07:25 Uhr

Der Wirtschaftsflügel der Union droht mit einer Blockade des nach jahrelangem Streit gefundenen Koalitionskompromisses zum neuen Grundrentengesetz. "Die Stimmung war schon mal besser", sagte Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz im SR-Interview über Hintergünde des Streits.

Ab 2021 sollen rund 1,3 Millionen Bürgerinnen oder Bürger mit geringen Renten einen Zuschlag bekommen: Diese "Grundrente" geht auf einen Gesetzentwurf von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zurück. Die erste Lesung im Bundestag geht am 15. Mai über die Bühne. Nun droht der Wirtschaftsflügel von Koalitionspartner CDU/CSU mit einer Blockade.

"Noch nie große Liebe der Union"

"Die Stimmung war schon mal besser", sagte Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz im SR-Interview. Die Hintergründe des Streits hätten ihrer Einschätzung nach weniger mit Finanzierungsschwierigkeiten aufgrund der Corona-Krise zu tun, wie die Union argumentiere, sondern vor allem mit dem Umstand, dass die Grundrente bei weiten Teilen der Union ohnehin "noch nie große Liebe war". Denn im Vergleich zu den jüngst veranschlagten 150 Milliarden Euro zur Bewältigung der Corona-Krise sei jene gute Milliarde, die die Grundrente im Jahr kosten würde, "ein Tropfen im Ozean, bestenfalls".

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 15.05.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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