Bundesverband der Pflegeberufe fordert Mitbestimmungsrechte

Bundesverband der Pflegeberufe fordert Mitbestimmungsrechte

Ein Gespräch mit Johanna Knüppel vom Deutschen Bundesverband für Pflegeberufe (DBfK) zum Internationalen Tag der Pflegenden

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   12.05.2020 | 07:45 Uhr

Johanna Knüppel vom Deutschen Bundesverband für Pflegeberufe hat im SR-Interview den Kurs der deutschen Politik in Sachen Pflege scharf kritisiert. Die Betroffenen bräuchten nach jahrzehntelanger mangelnder Wertschätzung nicht nur mehr Geld, sondern endlich auch ein Mitbestimmungsrecht. Nach der Corona-Pandemie müsse sich vieles ändern.

Tag der Pflege
"Applaus allein reicht nicht"
Mehr Unterstützung könnten sicherlich auch jene Menschen gebrauchen, die Angehörige zuhause selbst pflegen. Denn die Tageseinrichtungen sind wegen der Coronakrise geschlossen, die tägliche Belastung nun noch höher.

Der 12. Mai ist der Internationale Tag der Pflegenden - zu Ehren der anno 1820 an diesem Tag geborenen, legendären britischen Krankenpflege-Pionierin Florence Nightingale.

"Bonuszahlung wird ganz sicher nicht reichen"

Johanna Knüppel vom Deutschen Bundesverband für Pflegeberufe hat trotz der angekündigten 1500-Euro-Bonuszahlung auf die jahrzehntelange mangelnde Wertschätzung der Politiker gegenüber den Pflegenden hingewiesen: "Da muss man sich dann schon mal die Augen reiben", sagte sie im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger, "die Bonuszahlung wird ganz sicher nicht reichen".

Für ein Recht auf Mitbestimmung

Knüppel forderte, dass sich "nach der Pandemie" vieles für die Pflege verändern müsse. So verlangte sie ein Mitbestimmungs- und Mitentscheidungsrecht bei gesundheitspolitischen Entscheidungen für die Angehörigen der Pflegeberufe. Während so ein Recht aktuell in Deutschland nirgends existiere, stehe die Pflege "international ganz anders da".

Chronische Überlastung

Auch in Sachen Corona-Krise sei längst nicht alles in Ordnung: Durch das mehrwöchige politisch verordnete Besuchsverbot in den Einrichtungen sei vor allem für jene "ohnehin chronisch überlasteten" Pflegekräfte, die es mit Demenzpatientinnen und -patienten zu tun hätten, ein "zusätzlicher Arbeitsaufwand" entstanden.


Pflege aktuell:

12. Mai: der Tag der Pflegenden
Verdi-Kundgebung für Entlastung in der Pflege
Am Internationalen Tag der Pflegenden will die Gewerkschaft Verdi der Forderung nach Aufwertung und Entlastung in der Pflege Nachdruck verleihen. Dazu hat die Gewerkschaft zu einer Kundgebung in Saarbrücken aufgerufen.

Hintergrund:

Eine Spurensuche zum 200. Geburtstag der Florence Nightingale
"Ein Leben im Dienst der Krankenpflege"
Sie sah sich nicht als Feministin, hatte aber mehr Einfluss als jede andere Frau ihrer Zeit: die aus einer steinreichen Familie stammende Engländerin Florence Nightingale. Sie zog es, ihr Leben in den Dienst der Krankenpflege zu stellen – alles andere als eine Selbstverständlichkeit Mitte des 19. Jahrhunderts.

ZeitZeichen: 12. Mai 1820
Der Geburtstag der britischen Krankenpflegerin Florence Nightingale
Florence Nightingale revolutionierte im 19. Jahrhundert die Krankenpflege. Mit Hygiene und Statistik sorgt sie dafür, dass die Todesrate in Lazaretten enorm sank. Mehr über die britische Krankenpflegerin hören Sie im SR 2-ZeitZeichen vom 12. Mai. Zum Podcast.


Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 12.05.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt eine Pflegerin, die die Hände einer Seniorin hält (Archivfoto: SR Fernsehen).

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