"Italien hat enorme Anstrengungen gemacht"

"Italien hat enorme Anstrengungen gemacht"

Ein Gespräch mit dem Wirtschaftswissenschaftler und Spiegel-Kolumnisten Thomas Fricke über die Hintergründe der hohen Staatsverschuldung Italiens

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   04.05.2020 | 07:40 Uhr

Der Ökonom Thomas Fricke hat im SR-Interview sein Verständnis für die italienische Staatsschuldenlast geäußert: Die hohen Schulden hätten vor allem historische Gründe. Die längst erfolgten enormen Sparanstrengungen seien auch zu Lasten des Gesundheitswesens gegangen.

Der Ökonom Thomas Fricke hat im SR-Interview für mehr Verständnis für die italienische Staatschuldenpolitik geworben: In den vergangenen Jahren habe es "enorme Anstrengungen" gegeben, um zu sparen. Den Italienern "Prasserei" vorzuwerfen, sei "nicht fair", sagte Fricke im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger.

1980er Jahre, Banken- und Eurokrise

Der Ursprung des noch immer relativ hohe Schuldenstands liege in den 1980er Jahren, erklärte Fricke: Damals hätten die Regierungen aufgrund "sehr ungünstiger Umstände" - wie etwa des seinerzeit hohen Zinsniveaus - eben ein paar Jahre lang "ein bisschen über die Stränge geschlagen". Diese Altschulden hätten die Italiener heute "immer noch im Gepäck".

Der "nächste Schock" sei dann die Euro- und Bankenkrise gewesen, in der "noch weiter gespart" worden sei - auch am Gesundheitswesen. Darunter hätten die Menschen in der Corona-Krise nun besonders stark zu leiden, so Fricke.

Die andere Perspektive:

Über Leben in Neapel: Das Corona-Tagebuch von Sven Rech
Teil 11: "Phase 2"
Seit der Corona-Krise berichtet Wahl-Neapolitaner Sven Rech in seinem Tagebuch "Über Leben in Neapel" von den Folgen des Lockdowns. Im elften Eintrag geht es um den Beginn der "Phase 2“ im Kampf gegen das Virus.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 04.05.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt zwei patrouillierende Soldaten auf der fast menschenleeren "Piazza del Duomo" vor dem Mailänder Dom (Foto: dpa / picture alliance / LaPresse via ZUMA Press / Claudio Furlan).

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