Griechenland vor dem nächsten Akt seiner Krisentragödie

Griechenland vor dem nächsten Akt seiner Krisentragödie

Ein Interview mit dem freien Journalisten Thomas Plaul über die Lage in Griechenland seit der Corona-Krise

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   23.04.2020 | 07:45 Uhr

Zehn Jahre nach der "Griechenland-Rettung" sieht der freie Journalist Thomas Plaul erneut große Wirtschaftsprobleme auf das gebeutelte Land zukommen - der Corona-Krise wegen. Mittlerweile aber sei die Gesellschaft gereift: Die Bürger hätten wieder Vertrauen in die Regierung, die Kultur sei sehr vielfältig und aktiv, so Plaul im SR-Interview.

Am 23. April 2020 ist es genau zehn Jahre her, dass der damalige griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou öffentlich erklärte, dass Griechenland seine Schulden nicht mehr bezahlen könne und um Finanzhilfe aus der EU bat. Die kam auch in Milliardenhöhe - allerdings unter strengen Sparauflagen.

Finanziell "schwer aufzufangen"

Jetzt drohen die Griechen wieder in Geldnot zu geraten: Die Corona-Krise würgt den Tourismus als wichtige Einnahmequelle ab. Thomas Plaul, freier Journalist und seit vielen Jahren Wahl-Athener, sieht das als "zusätzlichen Akt in dieser griechischen Krisentragödie". Der Wirtschaftseinbruch 2020 werde schwer aufzufangen sein, sagte er im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit voraus.

Neuer "Reifegrad" der Gesellschaft

Mittlerweile aber wüssten die Griechen, "wie das geht, sich selbst einzuschränken". Weitere Punkte sprächen für den neuen "Reifegrad" der griechischen Gesellschaft: Die eher sachlich-pragmatisch agierende Regierung um Kyriakos Mitsotakis genieße ein erstaunlich "großes Vertrauen", und der Kulturbereich sei trotz aller Widrigkeiten nach wie vor "sehr vielfältig und sehr aktiv".

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 23.04.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt Symbolbild: eine Statue der Göttin Athene in der griechischen Hauptstadt (Foto: dpa / AP / Thanassis Stavrakis).

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