Umweltforscher zur Trockenheit: "Zu früh, um die Katastrophe auszurufen"

"Zu früh, um die Katastrophe auszurufen"

Ein Interview mit Dr. Andreas Marx, Dr. Andreas Marx, Koordinator der Initiative Klimaschutz und Anpassung beim Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Stephan Deppen. Onlinefassung: Rick Reitler. Mit Informationen des SAARTEXT   22.04.2020 | 12:55 Uhr

Der Leipziger Umweltforscher Dr. Andreas Marx sieht noch keinen Grund, sich um die Ernte-Erträge des Jahres 2020 zu sorgen, obwohl die Regenmenge seit Wochen unterdurchschnittlich ist. Die Ausgangslage sei aber "nicht günstig", sagte er im SR-Interview. Die Wälder allerdings machten ihm Sorgen.

Dr. Andreas Marx, Wissenschaftlicher Koordinator in der Helmholtz Initiative Klimaschutz und Anpassung (Foto: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH - UFZ / Sebastian Wiedling)
Dr. Andreas Marx (Foto: Sebastian Wiedling)

Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, hat seiner Sorge Ausdruck verliehen, das Jahr 2020 könnte viel zu trocken bleiben - mit neuen Schwierigkeiten für die Ernte. "Mir machen die Förster und der Wald größere Sorgen als die Bauern", sagte Dr. Andreas Marx, der Koordinator der Initiative Klimaschutz und Anpassung beim Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, im Gespräch mit SR-Moderator Stephan Deppen.

2019 gute Ernte im Südwesten - trotz Trockenheit

Die Ertragslage der Landwirtschaft sei 2019 zumindest im Südwesten Deutschlands überdurchschnittlich gewesen - und das trotz des historisch trockenen Sommers. "Für die Landwirtschaft ist es noch zu früh, um die Katastrophe auszurufen", folgerte Marx.

Künftig doppelt so viele Trockenheitsjahre?

Trotzdem sei die Ausgangslage grundsätzlich nicht günstig, wenn ein Frühjahr so wenig Regen bringe wie aktuell. Auch die vielen Niederschläge vom Februar 2020 würden nicht ausreichen, den Boden so zu durchfeuchten, dass die Landwirtschaft unbesorgt sein könne. Er gehe davon aus, dass sich die Anzahl trockener Jahre künftig verdoppeln könnte - gerade im Saarland.

Hintergrund

Im Saarland und in Rheinland-Pfalz waren in der ersten Aprilhälfte 2020 deutlich zu wenig Niederschläge gefallen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes waren im Saarland nur 0,4 Prozent der üblichen Regenmengen in der ersten Monatshälfte gefallen. Aktuell zeige der Graslandfeuerindex im Saarland Gefahrenstufe vier von fünf an. Der Graslandfeuerindex steht für die witterungsbedingte Feuergefährdung von offenem, nicht abgeschattetem Gelände mit abgestorbener Wildgrasauflage ohne grünen Unterwuchs.

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Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 22.04.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt eine kahle Stelle auf einem Feld (Foto: Pixabay/ulleo).

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