GEW-Landesvorsitzende Birgit Jenni: Schule erst nach den Sommerferien öffnen!

"Schulen erst nach den Sommerferien wieder öffnen!"

Ein Gespräch mit Birgit Jenni, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Saarland, über die aktuellen Beschlüsse der Regierung in der Corona-Krise

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   16.04.2020 | 07:45 Uhr

Die saarländische GEW-Landesvorsitzende Birgit Jenni hat sich im SR-Interview dafür stark gemacht, die Schulen erst wieder nach den Sommerferien zu öffnen - und nicht bereits schrittweise ab 4. Mai. Die "plötzliche Öffnung" mache ihr "wirklich Angst". Besonders problematisch sei die knappe Zeit für die Vorbereitungsarbeiten trotz fehlendem Konzept und zu wenig Lehrpersonal.

Unterricht zunächst nur für Abschlussklassen
Schrittweise Öffnung der Schulen geplant


Im Saarland bleiben die Schulen noch mindestens bis zum 4. Mai geschlossen. Dann sollen schrittweise Öffnungen erfolgen: erst für die älteren Schülerinnen und Schüler, die kurz vor ihrem Abschluss stehen, dann für die obersten Grundschulklassen. Für die Umsetzung im Detail soll das Kultusministerium ein Konzept erarbeiten. Lehrer-Vertretungen machen sich schon lange Gedanken darüber - zum Beispiel die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

"Das macht mir Angst"

Die saarländische GEW-Landesvorsitzende Birgit Jenni spart im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue auch nicht mit Kritik: Die "plötzliche Öffnung" mache ihr "wirklich Angst", sagte Jenni. Als das "große Problem" sehe sie die Vorbereitung bis zur Wieder-Öffnung der Klassenräume. Ihr sei nicht klar, wie die Schulen Dinge wie beispielsweise die Sicherstellung von Hygiene-Standards "in der Kürze der Zeit" bewältigen wollten: "Das kostet Zeit, und das kostet Geld". An Berufsschulen müssten beispielsweise 20 verschiedene Prüfungen organisiert werden. Zudem lasse "die räumliche Gestaltung der Schulen zu wünschen übrig".

Pro "Kurzschuljahr"

Ihr Vorschlag wäre ein "Kurzschuljahr" und "nicht nur diskutieren über Prüfungen". Die Zeit sollte besser genutzt werden, um den Schulbetrieb nach den Sommerferien vorbereiten zu können.

Zudem poche die Gewerkschaft darauf, "dass die Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen geregelt werden und dass auch die Risikogruppen berücksichtigt werden". Man werde "Schichtbetrieb" organisieren müssen - und auch dafür gebe es "noch kein Konzept". Auch die Personaldecke sei viel zu dünn: "Wir haben gar nicht die Lehrkräfte dazu", so Jenni. Das alles werde uns nun "bitter aufstoßen".


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 16.04.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt ein leeres Klassenzimmer (Foto: SR Fernsehen).

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