Corona bekämpfen, Biodiversität bewahren!

Corona bekämpfen, Biodiversität bewahren!

Ein Gespräch mit dem Umweltforscher Prof. Josef Settele, Helmhotz Institut Leipzig, über das Coronavirus und Biodiversität

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   06.04.2020 | 08:45 Uhr

Der Umweltforscher Prof. Josef Settele sieht verschiedene Möglichkeiten, besser für künftige Pandemien gewappnet zu sein: die Regulierung oder das Verbot von Wildtiermärkten, eine bessere internationale Vernetzung in Sachen invasive Tierarten und ein Nachdenken über das aktuelle Wirtschaftssystem. Ein Interview.

Bei allen aktuellen Schwierigkeiten mit der Corona-Pandemie sollte die Frage des Virus-Ursprungs nicht vernachlässigt werden, meint Prof. Josef Settele vom Helmhotz Institut für Umweltforschung Leipzig: "Der Ursprung der Viren ist ja normalerweise in der Natur gelegen", stellte Settele im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner klar. "Je mehr Säugetiere ich hab, je mehr Wirbeltiere, umso größer ist die Chance und die Wahrscheinlichkeit, dass eben so ein Virus auf den Menschen überspringt".

Ausrotten keine Lösung

Er gehe davon aus, dass auch im Fall des Coronavirus ein Wildtier eine große Rolle gespielt haben könnte - womöglich eine Fledermaus. In der Vergangenheit habe so eine Epidemie jedenfalls immer mit Wildtieren zu tun gehabt. Von einer Ausrottung eines wahrscheinlichen Zwischenwirts aus dem Tierreich aber rät er dringend ab: "Wenn wir alles vernichten, schaffen wir andere Probleme". Immerhin bekleideten Wildtiere auch wichtige Rollen im Ökosystem - die Fledermaus beispielsweise als Bestäuber.

Außerdem halte er es für unwahrscheinlich, dass beispielsweise Fledermäuse überhaupt ausgerottet werden könnten: "Es wird immer welche geben, die übrig blieben", so Settele. Es werde immer Arten geben, die besser angepasst seien und deshalb "überdauern" könnten.

Mehr Regulierung, Vernetzung, Nachdenken

Als eine mögliche Maßnahmen gegen künftige Pandemien sieht er vielmehr die Regulierung oder das Verbot von Wildtiermärkten, eine bessere internationale Vernetzung, was den Umgang mit invasiven Tierarten angehe und ein Nachdenken über die Probleme, die das aktuelle Wirtschaftssystem schaffe und über unser "Umgehen mit der Natur insgesamt".


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 06.04.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt eine schlafende Fledermaus (Archivfoto: pixabay / rnoid).

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