"Jetzt zeigt sich, dass die hohen Kapazitäten eher ein Vorteil sind"

"Jetzt zeigt sich, dass die hohen Kapazitäten ein Vorteil sind"

Ein Gespräch mit dem Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Jürgen Wasem über das deutsche Gesundheitssystem in Corona-Zeiten - und danach

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   03.04.2020 | 12:45 Uhr

Der Gesundheitsökonom Prof. Jürgen Wasem hat im SR-Interview eine Diskussion darüber gefordert, wie man in Zukunft genügend Reserve-Kapazitäten in den Kliniken vorhalten, dem "ökonomischen Druck" standhalten und die Landesregierungen dazu bewegen könne, wieder mehr Geld für Investitionen in Krankenhäusern bereitzustellen.

"Kaputtgespart": Mit diesem Begriff hat Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) in einem Zeitungsinterview den Zustand vieler Krankenhäuser in Deutschland kritisiert. Gesundheit könne kein rein marktwirtschaftliches Gut sein. Doch was heißt das? Kliniken verstaatlichen? Oder sogar das Gesundheitssystem komplett neu aufstellen?

Für Reserve-Kapazitäten

Für den Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen ist die Frage, wem eine Klinik gehöre, nicht unbedingt der "kriegsentscheidende Punkt". Ihn beschäftige vielmehr, wie man in Zukunft verlässliche Reserve-Kapazitäten vorhalten, dem "ökonomischen Druck" standhalten und vor allem die Landesregierungen dazu bewegen könne, wieder mehr Geld für Investitionen in die Geräte und OP-Säle der Krankenhäuser bereitzustellen, so Wasem im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue.

"Flexiblere Lösungen"

Auch er sei vor der Corona-Krise der Meinung gewesen, dass es in Deutschland zu viele Krankenhausbetten gebe, die man nicht alle "durchfinanzieren" könne. "Jetzt zeigt sich aber im Moment tatsächlich, dass die hohen Kapazitäten, die wir haben - wenn man's im Vergleich betrachtet mit den europäischen Ländern - eher ein Vorteil sind", sagte Wasem. Zudem müsse man gerade in einer Krise über "flexiblere Lösungen" nachdenken, was den Hemmschuh des Abrechnungswesens angehe - allerdings ohne über das Ziel hinauszuschießen.

Gesellschaftliche Solidarität vorhanden

Erfreulich und überraschend finde er, dass die Menschen in Deutschland offensichtlich bereit seien, in Krisenzeiten eine "riesengroße" Zahlungsbereitschaft an den Tag zu legen, um Menschenleben zu retten.


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Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 0304.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt einen Gang in er Patientenstation (Archivfoto: SR Fernsehen)

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