"Diese Wahl hat durch das Coronavirus viele Unbekannte"

"Diese Wahl hat durch das Coronavirus viele Unbekannte"

Interview mit Paris-Korrespondent Marcel Wagner zur Kommunalwahl in Frankreich

Interwiev: Katrin Aue / Marcel Wagner / Onlinefassung: Anne Staut   13.03.2020 | 09:16 Uhr

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat am Mittwoch eine Vielzahl von Maßnahmen angekündigt, um die Coronaepidemie einzudämmen. So sollen unter anderem Schulen und Kindergärten ab Montag geschlossen bleiben. Die Kommunalwahlen am kommenden Sonntag sollen hingegen wie geplant stattfinden. SR-Moderatorin Katrin Aue hat mit Paris-Korrespondent Marcel Wagner über die anstehende Wahl in Frankreich gesprochen.

Dass der Präsident die Kommunalwahlen in Frankreich trotz vieler anderer Maßnahmen nicht abgesagt hat, kam überraschend, sagt SR-Korrespondent Marcel Wagner. Der Präsident habe gesagt, das demokratische Leben müsse weitergehen und der nationale Wissenschaftsrat habe ihm gesagt, dass die Wahl machbar sei. Deshalb solle sie nun auch durchgeführt werden.  

Dabei könnten diesmal die Grünen in Frankreich mehr Stimmen gewinnen. Bislang ist Grenoble die einzige Stadt mit einem grünen Bürgermeister, aber das könnte sich nun ändern. Für die grüne Kandidatin in Straßburg, Jeanne Barseghian, stehen die Chancen nicht schlecht die Wahl zu gewinnen, so Wagner. "Wenn man den Umfragen glaubt, liegt sie ungefähr gleich auf mit dem Kandidaten von "La République en Marche" , also der Präsidentenpartei von Emmanuel Macron." Auch in der Bevölkerung habe die Kandidatin große Zustimmung.

Wegen Corona: Manche werden nicht zur Wahl gehen

Allerdings gebe es bei der Wahl durch das Coronavirus viele Unbekannte. Selbst die Umfrageinstitute wagten derzeit kaum eine Progmose, wie das Virus die bisher feststehenden Umfragen durcheinanderwirbeln könnte. Wegen des Coronavirus würden manche Menschen wahrscheinlich nicht zur Wahl gehen. "Das könnten zum Beispiel die älteren Menschen sein, die ja beim Coronavirus die schlimmsten Auswirkungen fürchten müssen", erklärt Wagner. Das könnte etwa die Konservativen Stimmen kosten. Aber auch andere Bevölkerungsgruppen könnten möglicherweise aus Angst vor dem Coronavirus nicht zur Wahl gehen.

Dass die Kommunalwahlen zu einer Protestwahl gegen Präsident Macron werden, hält Wagner hingegen für unwahrscheinlich. Bei den Kommunalwahlen stünde die Persönlichkeit des Kandidaten im Vordergrund. "Vor allem das Programm für die Stadt selbst steht im Vordergrund. Und da kann es oft sein, dass jemand das bessere Programm anbietet, der nicht in der Partei ist, die ich zum Beispiel bei einer Präsidentschaftswahl wählen würde." Die Menschen würden sich fragen, was für ihre Stadt am besten ist und dann dafür stimmen und nicht gegen den Präsidenten.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 13.03.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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