"Mit den AfD-Wählern in den Dialog treten"

"Mit den AfD-Wählern in den Dialog treten"

Ein Gespräch mit David Maaß, dem saarländischen Landesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), über die Personalsituation bei der Saar-Polizei, über den Terroranschlag von Hanau und über den Umgang mit AfD-Anhängern

Thomas Shihabi. Onlinefassung: Rick Reitler   24.02.2020 | 11:50 Uhr

David Maaß, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), hat im SR-Interview mehr Unterstützung von der Politik gefordert, um die sichtbare Präsenz in der Gesellschaft zu erhöhen. AfD-Spitzenfunktionäre trügen für ihn eine "mittelbare Schuld" an dem Terroranschlag von Hanau. Nun sei es "Aufgabe der Gesellschaft, mit diesen Sympathisanten, mit auch den AfD-Wählern, in den Dialog zu treten".

David Maaß, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), hat mit einem Facebook-Post viel Aufsehen erregt: Er hatte die Alternative für Deutschland (AfD) kurz nach dem rechtsextremistischen Anschlag von Hanau als eine der "geistigen Brandstifterinnen" und als eine "Schande für Deutschland" bezeichnet. Die Spitzenfunktionäre der Partei trügen eine "mittelbare Schuld" an dem Terroranschlag, bekräftigte er im Gespräch mit SR-Moderator Thomas Shihabi.

Video [aktueller bericht am Rosenmontag, 24.02.2020, Länge: 3:33 Min.]
Nachrichten, ab min. 01:40

Freie Meinungsäußerung

"Strafrechtlich relevante Kommentare" unter seinem umstrittenen Eintrag würden derzeit vom Staatsschutz beim Landespolizeipräsidium überprüft und entsprechend verfolgt. Unabhängig davon sei es nun "Aufgabe der Gesellschaft, mit diesen Sympathisanten, mit auch den AfD-Wählern, in den Dialog zu treten". Denn jeder müsse und dürfe "in einer Demokratie seine Meinung frei äußern". Man müsse mit den Menschen "ins Gespräch kommen", so Maaß.

Steigende Kriminalitätsraten

"Jegliche Form von Gewalt im politischen Diskurs" lehne er ab, betonte Maaß - egal ob sie von links oder von rechts komme. Er räumte allerdings ein, dass "in vielen Teilen der Gesellschaft" ein Problem "mit steigenden Kriminalitätsraten" existiere. Es sei aber nicht so, dass Migranten schuld daran seien, dass jetzt "plötzlich die Gewalt im Saarland" explodiere.

Polizei-Präsenz erhöhen

Angesichts eines drohenden Personalmangels bei der Polizei hoffe er auf politische Unterstützung, um beispielsweise mit Hilfe der Bundespolizei die sichtbare Präsenz in der Gesellschaft zu erhöhen. Für das Saarland bedeute das rund 300 zusätzliche Stellen. "Da geht es um viel Geld. Aber ich sag's mal so: Was politisch gewollt ist, ist auch finanzierbar", so Maaß.


Nach AfD-kritischem Post
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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 21.02.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt Polizeiautos vor einem Gebäude in Hanau, in dem sich im Erdgeschoss eine der beiden Shisha-Bars befindet, in der in der Nacht zum 20. Februar 2020 mehrere Menschen getötet wurden (Foto: dpa / Nicolas Armer).

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