Zwischen angemessener Berichterstattung und Panikmache

Zwischen Berichterstattung und Panikmache

Ein Interview mit dem Medienwissenschaftler Bernd Gäbler über die Berichterstattung zum Corona-Virus

Katrin Aue / Onlinefassung: Laszlo Mura   27.02.2020 | 16:45 Uhr

Seit Wochen beschäftigt das Thema "Corona-Virus" die Medien. Wegen neuer und z. T. nicht nachvollziehbarer Fälle in Deutschland ist die Berichterstattung aber nochmal deutlich angezogen. Wie aber schafft eine Redaktion den Spagat: keine Panik zu schüren, aber trotzdem umfänglich zu berichten und nicht verharmlosen? Ein Gespräch mit dem Medienwissenschaftler Bernd Gäbler.

Die Berichterstattung sollte in erster Linie transparent sein, meinte Bernd Gäbler, Medienwissenschaftler an der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld, im SR-Interview. Dazu müsste offengelegt werden, zwischen welchen Informationen sich eine Redaktion entscheiden kann und wo die Hauptquellen liegen.

Mit Maßstäben arbeiten

Bernd Gäbler, Medienwissenschaftler (Foto: Pressefoto)
Bernd Gäbler, Medienwissenschaftler

Zudem sei es wichtig, Differenzgrößen zu bieten. So müsse die Zahl der Toten stets mit der Zahl der Erkrankten in Verbindung stehen, erklärt Gäbler.

Außerdem sollten Vergleiche mit Grippewellen und anderen Krankheiten angestellt werden, um die Zahlen zu rationalisieren.

Das Informationsbedürfnis ist hoch

Zwar förderten Live-Ticker, wie sie in der deutschen Medienlandschaft mehrfach zu finden sind, ein "unheimliches Bild", meint Gäbler. Hier sei aber auch die Kompetenz der Nutzer gefragt, die sich aufmerksam und reflektiert informieren sollten. "Noch ist es nicht so, dass wir eine große Alarmglocke schlagen müssten, dass die Berichterstattung furchtbar wäre", so Gäbler. Das Informationsbedürfnis sei aktuell noch sehr hoch bei den Nutzern.

Corona-Virus aktuell:

Corona-Virus
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Entwarnung im Fall des Zugreisenden
Corona-Verdacht nicht erhärtet
Der Saarländer, wegen dem am 26. Februar ein Regionalzug nach Saarbrücken gestoppt worden war, ist doch nicht mit dem Coronavirus infiziert.

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Der Saarlouiser Hygiene-Inspektor Henning Adam und seine Mitarbeiter haben mit den Vorkehrungen für einen etwaigen Covid19-Ernstfall alle Hände voll zu tun und ein besonders hohes "Anrufaufkommen" zu bewältigen. Im SR-Interview gibt er einige Tipps zur Prävention.

Erster Coronavirus-Fall in Rheinland-Pfalz
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In Rheinland-Pfalz gibt es den ersten bestätigten Coronavirus-Fall. Wie die Bundeswehr mitteilte, ist ein 41 Jahre alter Soldat betroffen. Auch im Saarland werden Vorkehrungen getroffen, um für die ersten Corona-Fälle gewappnet zu sein.

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Mundschutzmasken nur bedingt geeignet
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Mundschutzmasken nur bedingt geeignet
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Über das Corona-Virus, Angst und wahre Lebensrisiken
Der Risikoforscher Prof. Dr. Gerd Gigerenzer hat im SR-Interview vor übertriebener Angst davor gewarnt, sich mit dem Corona-Virus anzustecken oder gar daran zu sterben. Die wahren Lebensrisiken lauerten ganz woanders - zum Beispiel im Straßenverkehr.

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"Ein vermeidbares Gesundheitsrisiko"
Prof. Philipp Lepper von der Uniklinik Homburg hat im SR-Interview vor Panik in Sachen Corona-Virus gewarnt. Er gehe davon aus, dass der chinesische Erreger "nicht so gefährlich" sei "wie andere Erreger aus der Gruppe der Corona-Viren". Zudem erfülle Deutschland als "gesundheitlicher Spitzenversorger in der Welt" sämtliche WHO-Vorgaben.

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Abend" vom 27.02.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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