Sterbehilfe: Bundesärztekammer gegen das Modell Holland

Bundesärztekammer gegen das Modell Holland

Ein Interview mit Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, zum Thema Sterbehilfe beim Bundesverfassungsgericht

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   26.02.2020 | 08:55 Uhr

Bundesärztekammer-Chef Dr. Klaus Reinhardt sieht keinen unbedingten Änderungsbedarf in der Gesetzgebung zur Sterbehilfe: Schon heute sei eine Medikamentenabgabe für schwerstkranke Menschen in Einzelfällen erlaubt - regelmäßig, geschäftsmäßig und "auf Wiederholung angelegt" dürfe sie allerdings keinesfalls zum Normalfall werden. Ein Interview.

Die andere Meinung: Prof. Dr. Wolfram Henn
Audio: Interview [SR 3, Simone Mir Haschemi, 26.02.2020, Länge: 03:47 Min.]
Die andere Meinung: Prof. Dr. Wolfram Henn
Der Homburger Humangenetiker Prof. Dr. Wolfram Henn sieht in dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe eine erwartete Korrektur einer bislang recht strengen Regelung.

Laut Paragraf 217 des Strafgesetzbuches ist die so genannte "geschäftsmäßige Suizidbeihilfe" für todkranke Patientinnen oder Patienten durch die Medizin bis heute strafbar. Das Bundesverfassungsgericht soll am 26. Februar nun noch einmal eine Grundsatzentscheidung zu dem umstrittenen Thema fällen.

Dr. Klaus Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer, sieht im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger keinen unbedingten Änderungsbedarf: Schon heute sei eine entsprechende Medikamentenabgabe für schwerstkranke Menschen in Einzelfällen erlaubt. Regelmäßig, geschäftsmäßig und "auf Wiederholung angelegt" dürfe sie allerdings keinesfalls zum Normalfall werden, stellte Reinhardt klar.

Die "Ärzteschaft" lehne es jedenfalls ab, dass Deutschland den Weg Hollands oder Belgiens gehe. Ein Interview.

Sterbehilfe aktuell:

tagesschau.de: Bundesverfassungsgericht
Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe ist gekippt
Die Beschwerden von Sterbehilfeorganisationen, Ärzten und schwer kranken Menschen hatten Erfolg: Das in Deutschland geltende Verbot der geschäftsmäßigen Hilfe beim Suizid ist verfassungswidrig. Es gebe ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben.


Mehr zum Thema im Archiv:

Über Karlsruhe und die Sterbehilfe
"Wir erhoffen uns durch das Urteil eine Klarstellung"
Ärzte oder Vereine dürfen in Deutschland schwerkranken Menschen nicht helfen, ihr Leben zu beenden. Ob das sogenannte "Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe" zu weit geht, wird zurzeit vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt. SR-Moderator Stephan Deppen hat mit Heiner Melching von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin darüber gesprochen.

Brüssel-Korrespondent Alexander Göbel
Thema Sterbehilfe: Vorbild Belgien?
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe muss die für viele Betroffene zu strengen Sterbehilfe-Gesetze noch einmal auf den Prüfstand stellen. Würde das Nachbarland Belgien mit seinen deutlich liberalen Regeln vielleicht als Vorbild taugen? Brüssel-Korrespondent Alexander Göbel ist da skeptisch.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 20.02.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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