Zwischen Wahnvorstellungen und Rassismus

Zwischen Wahnvorstellungen und Rassismus

Ein Gespräch mit dem Publizisten und Rechtsterrorismus-Experten Andreas Speit über den Täter von Hanau

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   21.02.2020 | 06:45 Uhr

Der Rechtsextremismus Andreas Speit geht davon aus, dass die deutsche Gesellschaft rechten Terror noch immer unterschätzt. Die Pamphlete des Täters von Hanau offenbarten zugleich "unglaubliche Wahnvorstellungen" und eine "zutiefst rassistische Grundeinstellung". Ein Interview.

Der Publizist und Rechtsextremismus Andreas Speit geht angesichts der Morde von Hanau davon aus, dass die deutsche Gesellschaft rechten Terror noch immer unterschätzt. "Wir erleben immer wieder, dass rechter Terror, rechte Gewalt, als erstes gar nicht so wahrgenommen wird", sagte Speit im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding.

Verbrechen nicht "pathologisieren"

Bei dem Täter von Hanau habe man es mit einer "sehr vielschichtigen" Person zu tun, deren Pamphlete zugleich "unglaubliche Wahnvorstellungen" und eine "zutiefst rassistische Grundeinstellung" offenbarten. Der Täter sei in einem bestimmten Milieu der virtuellen Welt politisiert und radikalisiert worden, das "wirklich sehr omnipräsent" sei. Speit warnte davor, die Verbrechen des Täters von Haunau zu "pathologisieren".


Andreas Speit (Hg.) und Jean-Philipp Baeck (Hg.)
Rechte Egoshooter
Von der virtuellen Hetze zum Livestream-Attentat
Christoph Links Verlag 2020, ca. 208 Seiten. 18,00 Euro
ISBN: 978-3-96289-076-6

Das Buch erscheint voraussichtlich im März 2020.


Der andere Blickwinkel:

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Der Anschlag auf eine Synagoge in Halle, der Mord an Walter Lübke, Hetzjagden in Chemnitz, die Morde des NSU und nun die rechtsextremistischen Morde in Hanau - da stellt man sich wieder die Frage: Wie groß ist unser Problem mit Rechtsextremismus? Wurde das Thema in der Vergangenheit verharmlost? Und wie ist die Lage im Saarland?


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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 21.02.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt Polizeiautos vor einem Gebäude in Hanau, in dem sich im Erdgeschoss eine der beiden Shisha-Bars befindet, in der in der Nacht zum 20. Februar 2020 mehrere Menschen getötet wurden (Foto: dpa / Nicolas Armer).

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