Über das Corona-Virus, Angst und wahre Lebensrisiken

Über das Corona-Virus, Angst und wahre Lebensrisiken

Ein Gespräch mit Risikoforscher Prof. Gerd Gigerenzer über die Gefahr des Corona-Virus in Deutschland

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   17.02.2020 | 07:45 Uhr

Der Risikoforscher Prof. Dr. Gerd Gigerenzer hat im SR-Interview vor übertriebener Angst davor gewarnt, sich mit dem Corona-Virus anzustecken oder gar daran zu sterben. Die wahren Lebensrisiken lauerten ganz woanders - zum Beispiel im Straßenverkehr.

"Die Panik ist nicht berechtigt, aber verstehen können wir, warum das passiert." Der Risikoforscher Prof. Dr. Gerd Gigerenzer hat im SR-Interview vor übertriebener Angst davor gewarnt, sich mit dem Corona-Virus anzustecken oder gar daran zu sterben. "Wir sollten Angst haben vor diesen Dingen, die uns oder unsere Familie umbringen könnten", sagte Gigerenzer im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding.

Gefahrenort Straße

Am Corona-Virus oder durch Terrorismus zu sterben, gehöre statistisch allerdings nicht zu den wirklich großen Lebensrisiken in Deutschland. Eine berechtigte Vorsicht sei dagegen beispielsweise eher bei der "normalen Grippe" oder auch bei Handy-Gebrauch im Auto geboten.

"Ich fürchte mich eher, im Straßenverkehr ums Leben zu kommen durch irgendjemand, der mal wieder sein Handy unbedingt in der Hand haben muss und texten muss", sagte Gigerenzer, "in Deutschland stirbt - geschätzt - jeden Tag ein Mensch daran, dass andere oder die Person selbst während des Fahres unbedingt auch noch texten, Videos anschauen und anderes tun müssen." Er empfahl, "Ungewissheiten zu lernen zu ertragen - statt nach Sicherheit zu suchen, die keiner geben kann."

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 17.02.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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