Die CDU in der Zerreißprobe

Die CDU in der Zerreißprobe

Ein Gespräch mit Hauptstadtkorrespondent Uli Hauck über die Situation der CDU

Jochen Erdmenger, Uli Hauck. Onlinefassung: Rick Reitler   10.02.2020 | 07:15 Uhr

Keine Zusammenarbeit mit der AfD, keine Zusammenarbeit mit den Linken und auch keine Neuwahlen - die CDU hat sich nach der Anweisung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Ministerpräsidentenwahl von Thüringen rückgängig zu machen, in eine Zwickmühle manövriert. "Es sieht aus, als ob es peinlich werden würde", meint Hauptstadtkorrespondent Uli Hauck. Ein Interview.

Die Lage in Thüringen ist seit der Wahl des Ministerpräsidenten am 5. Februar 2020 verfahren, besonders für die CDU: Wie sollen sich ihre Abgeordneten im Erfurter Landtag verhalten, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel tags darauf angeordnet hatte, die demokratisch und regelkonform durchgeführte Wahl von FDP-Mann Thomas Kemmerich mit den Stimmen der AfD, der CDU und der FDP "rückgängig" zu machen?

Hände gebunden?

Mit Kemmerlichs Vorgänger Bodo Ramelow (Die Linke) steht bislang nur ein "neuer" Kandidat fest. Allerdings existiert ein Parteitagsbeschluss der CDU, dass nicht mit den Linken zusammengearbeitet werden darf. Die AfD ist nach demselben Beschluss für Christdemokraten ebenfalls tabu. Was offenbar längst nicht jedem Parteimitglied gefällt, vor allem jenen in den östlichen Bundesländern, wie SR-Hauptstadtkorrespondent Uli Hauck im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger berichtet.

"Eine mögliche Alternative wäre, im dritten Wahlgang enthält sich die CDU, und dann könnte möglicherweise Bodo Ramelow ins Amt kommen", sagte Hauck, "aber das will die Linkspartei nicht mitmachen."

"Veritabler Richtungskampf"

Neuwahlen scheinen aus Sicht der Union ebenfalls keine erstrebenswerte Option - denn dann würde die CDU wohl massiv an Wählerzustimmung einbüßen. "Es sieht so aus, als ob es peinlich werden würde", resümiert Hauck. Nicht nur im Land Thüringen tobe "ein veritabler Richtungskampf". Und "irgendeinen Tod" werde die CDU wohl sterben müssen. Ein Interview.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 10.02.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 6. Februar 2020 bei ihrer Forderung, dass die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen "rückgängig" gemacht werden müsse.

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