Wird sich Ramelow mit seiner Minderheitsregierung durchsetzen?

Wird sich Ramelow mit seiner Minderheitsregierung durchsetzen?

Ein Gespräch mit MDR-Politikredakteur Uli Sondermann-Becker über die Ministerpräsidentenwahl im Landtag Erfurt

Katrin Aue / Onlinefassung: Rick Reitler   05.02.2020 | 08:15 Uhr

MDR-Politikredakteur Uli Sondermann-Becker glaubt nicht daran, dass Bodo Ramelow bei der Wahl zum thüringischen Ministerpräsidenten durchfallen wird. Der Linke genieße in seinem Land außerordentlich hohe, parteiübergreifende "Popularitätswerte". Somit werde es wohl zur rot-rot-grünen Minderheitsregierung kommen. Ein Interview.

Nach drei Monaten zäher Koalitionsverhandlungen will sich Bodo Ramelow (Die Linke) am Vormittag des 5. Februar erneut zum Ministerpräsidenten von Thüringen wählen lassen. Die Abgeordneten seines rot-rot-grünen Bündnisses aber besitzen seit der Landtagswahl nicht mehr die Mehrheit der Sitze im Parlament.

AfD schickt Gegenkandidaten ins Rennen

Die AfD hat nun vor wenigen Tagen entschieden, einen Gegenkandidaten aufzustellen - nämlich den parteilosen Kommunalpolitiker Christoph Kindervater. Damit besteht zumindest die Option, dass Ramelow als Regierungschef abgelöst wird - falls dessen Unterstützung durch die CDU-Fraktion nicht ausreicht.

Parteiübergreifende Popularität

MDR-Politikredakteur Uli Sondermann-Becker glaubt allerdings nicht daran: Ramelow genieße in Thüringen außerordentlich hohe "Popularitätswerte" - "eben auch parteiübergreifend bis weit in die CDU-Anhängerschaft hinein". Allerdings gehe er davon aus, dass die Opposition aus CDU, FDP und AfD es nach der Wahl von Ramelow nicht mitmachen werde, dass das Bundesland "noch ein bisschen weiter nach links" gerückt werde.

Hintergrund:

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 05.02.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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