Klima: "Ganz, ganz dringender Handlungsbedarf" in den Kommunen

"Ganz, ganz dringender Handlungsbedarf"

Ein Gespräch mit dem Umweltwirtschaftsexperten Prof. Peter Heck über die deutschen Kommunen und den Klimanotstand

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   04.02.2020 | 16:20 Uhr

Der Trierer Umweltwirtschaftsexperte Prof. Peter Heck sieht "ganz, ganz dringenden Handlungsbedarf" für die Städte und Gemeinden im Kampf gegen den Klimawandel. Im SR-Interview empfahl er, wenigstens "das zu tun, was einfach, simpel und auch kostensparend" sei. Geld sei in den deutschen Städten ohnehin genug vorhanden.

Der Stadtrat in Konstanz stimmte im Mai 2019 als erste deutsche Kommune mehrheitlich für die Ausrufung des "Klimanotstands". Damit sollen seither bei allen Ratsbeschlüssen die Auswirkungen auf den Umwelt-, Klima- und Artenschutz berücksichtigt werden. Mittlerweile sind diesem Beispiel mehr als 60 deutsche Kommunen gefolgt. Doch bedeutet so eine Notstandsregelung nicht weitere bürokratische und finanzielle Hürden für die ohnehin überlasteten Städte?

"Sehr viel" Geld da

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Prof. Peter Heck vom Umweltcampus Birkenfeld der Hochschule Trier sieht das völlig anders: Er sei es leid, von den Kommunen zu hören, dass diese "kein Geld" hätten. Davon sei in Wahrheit "sehr viel da", sagte er im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Immerhin gebe es "wirklich ganz, ganz dringenden Handlungsbedarf" beim Thema Klimaschutz. Von daher begrüße er, dass Städte mit der Ausrufung des Klimanotstands "ein Zeichen an die Bürger" gesetzt hätten. Ob das Bekenntnis der Kommunen am Ende "wirklich viel" bringe, lasse sich allerdings "hinterfragen", räumte Heck ein.

"Unsinn" soll abgestellt werden

Er empfahl, wenigstens "das zu tun, was einfach, simpel und auch kostensparend" sei. Dazu müsse "einfach der ganze Unsinn abgestellt werden und der Sinn endlich mal Einzug halten dürfen", forderte der Experte für Umweltwirtschaft.


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Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 04.02.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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