Obdachlos in Saarbrücken

Wie viele Menschen sind bei uns obdachlos?

Ein Blick auf die Obdachlosen-Statistik des Saarlands

David Differdange   29.01.2020 | 08:20 Uhr

Berlin führt gerade die erste Obdachlosenzählung durch. Dort haben schätzungsweise bis zu 10.000 Menschen dauerhaft kein Dach über dem Kopf. Aber wie ist das eigentlich im Saarland? Welche Zahlen gibt es und wie verlässlich sind die? SR-Reporter David Differdange hat nachgeforscht.

In Deutschland ist die Berliner Obdachlosenzählung in ein Novum. Vorbilder sind ähnliche Aktionen in New York und Paris. So eine groß angelegte Zählung mit zahlreichen ehrenamtlichen Helfern sei im Saarland nicht notwendig, die Obdachlosigkeit hier mit diesen Metropolen nicht zu vergleichen, sagt Michael Schwarz, vom Saarbrücker Amt für Soziale Angelegenheiten.

Dennoch versuchen auch saarländische Behörden und soziale Träger den Überblick zu behalten. Streetworker von Stadt oder beispielsweise der Diakonie kennen „ihre Szene“ und schauen genau hin, wer, wie lange auf der Straße lebt.

Meiste Wohnungslose in der Landeshauptstadt

Streetworker Thomas Braun von der Diakonie geht davon aus, dass über das gesamte Jahr in Saarbrücken bis zu 140 Personen zeitweise auf der Straße leben. Ein Viertel davon sind Frauen. Die aktuelle Zahl liege jedoch zwischen 20 und 35. In anderen Städten wie Neunkirchen, Saarlouis und Völklingen gebe es weniger Betroffene – die meisten Wohnungslosen ziehe es in die Landeshauptstadt.

Bei allen Hilfesuchenden müssen Verbände und Kommunen den Unterschied zwischen Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit machen. Denn wer wohnungslos ist, sprich keinen Mietvertrag hat, ist nicht zwangsläufig obdachlos.

Steigende Nachfrage nach Notfallwohnungen

Knapp 400 Menschen wurden 2018 von der Landeshauptstadt in Notfallwohnungen untergebracht, die Tendenz ist steigend. Hinzu kommen Personen, die etwa auf die Notschlafstelle der AWO angewiesen sind. Die Diakonie Saar schätzt deshalb die Zahl der Wohnungslosen im Regionalverband auf knapp 1000.

Das Alter der Betroffenen ist dabei sehr unterschiedlich. So haben zum Beispiel 35 Menschen unter 27 beim SOS Kinderdorf in Saarbrücken ihre Postadresse angegeben – weil sie keine eigene Wohnung haben.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 29.01.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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