Organspende: "Darüber kann man lang diskutieren und streiten"

"Darüber kann man lang diskutieren und streiten"

Ein Interview mit Hauptstadt-Korrespodent Uwe Lueb vor der Entscheidung im Streit um die Organspende-Regelung in Deutschland

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   16.01.2020 | 07:25 Uhr

SR-Moderator Jochen Marmit hat mit Uwe Lueb aus dem ARD-Hauptstadtstudio über die im Bundestag anstehende Abstimmung zur Organspende-Reform gesprochen. Er geht davon aus, dass Spahns "Widerspruchslösung" sich durchsetzen wird - wenn auch nur mit knapper Mehrheit.

Organspende-Abstimmung im Bundestag
Viele Saar-Abgeordnete für Neuregelung
Die Mehrheit der saarländischen Bundestagsabgeordneten unterstützt die "doppelte Widerspruchslösung" von Gesundheitsminister Jens Spahn.


Organsspender sein oder nicht? Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will, dass den Deutschen diese Entscheidung abgenommen wird. Am 16. Januar stimmt der Bundestag über seine "Widerspruchslösung" ab. Demnach sollen alle Deutschen ab dem 16. Geburtstag automatisch Organspender sein - es sei denn, sie widersprechen dem aktiv und ausdrücklich.

Die Opposition lehnt so einen Automatismus ab und setzt auf mehr Bürger-Information - zur "Stärkung der Entscheidungsbereitschaft".

Fraktionszwang aufgehoben

SR-Moderator Jochen Marmit hat mit Uwe Lueb aus dem ARD-Hauptstadtstudio über das ethisch und juristisch komplexe Thema gesprochen. Lueb geht davon aus, dass Spahns "Widerspruchslösung" sich durchsetzen wird - wenn auch nur mit knapper Mehrheit. Der Fraktionszwang ist bei der Bundestagsabstimmung übrigens aufgehoben.

Leben mit einem Spenderorgan
Audio [SR 1, Daniel Simarro / Stefan Schmittberger, 15.01.2020, Länge: 04:48 Min.]
Leben mit einem Spenderorgan
Ein Praxisfall: Stefan Schmittberger würde ohne Organspende wohl nicht mehr leben. Im Interview mit SR 1-Moderator Daniel Simarro spricht er über seine Erfahrungen.

Hintergrund

Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist noch immer sehr niedrig. Im vergangenen Jahr haben 932 Menschen ein oder mehrere Organe gespendet. Demgegenüber stehen mehr als 9000 Menschen auf einer Warteliste für ein Spenderorgan. Nur rund ein Drittel der Deutschen besitzt einen Spenderausweis, obwohl bei Umfragen sehr viel mehr Menschen grundsätzlich Bereitschaft signalisieren, zu spenden.


Der andere Blickwinkel:

Was bei der Organspende-Debatte häufig vergessen wird
Audio [SR 2, Jochen Marmit, Dagmar Scholle, 16.01.2020, Länge: 04:12 Min.]
Was bei der Organspende-Debatte häufig vergessen wird
Herz, Leber, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm, Lunge, zwei Nieren und natürlich Hornhäute, Gewebe und Haut: Das ist das menschliche Organ-Potenzial, das wir gegebenenfalls an todkranke Patienten spenden könnten. Dass die damit verbundenen ethischen Konflikte und allgemein das Problem der fehlenden Spenderorgane nach der Bundestagsabstimmung am 16. Januar gelöst sein werden, glaubt SR-Wissenschaftsjournalistin Dagmar Scholle nicht. Sie findet: Die gesamte Debatte um die Organspende greift zu kurz. Ein Interview.


Ein verbaler Schlagabtausch:

Ein Streitgespräch zur Organspende-Reform
Widerspruchslösung oder Bürger-Abfrage?
"Doppelte Widerspruchslösung" oder doch lieber alle zehn Jahre beim Bürger nachfragen? Am Tag vor der Entscheidung zur Organspende-Reform im Bundestag haben sich Karl Lauterbach von der der Regierungspartei SPD und Christine Aschenberg-Dugnus von der FDP-Opposition einen Schlagabtausch der Argumente geliefert.


Dossier:

Dossier
Organspende und Organtransplantation
SR 2 KulturRadio hat die Organspende zum Thema unterschiedlicher Sendungen gemacht. Dabei kommen verschiedenste Sichtweisen zu Wort. In den Beiträgen geht es dabei nicht ausschließlich um die Vorteile des Organspendens. Auch Vorbehalte und die Schattenseiten kommen zur Sprache - beispielsweise jener Transplantationsskandal von 2012, durch den die ganze Branche in die Kritik geraten war.


HörStoff:

Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 16.01.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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