Ein Plädoyer für das NATO-Großmanöver "Defender 2020"

Ein Plädoyer für das NATO-Großmanöver "Defender 2020"

Ein Interview mit Dr. Claudia Major, Expertin für Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, über das NATO-Großmanöver "Defender 2020"

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   15.01.2020 | 11:15 Uhr

Die Sicherheitsexpertin Dr. Claudia Major hat das in wenigen Tagen anlaufende NATO-Großmanöver "Defender 2020" angesichts einer "zunehmend aggressiven, revisionistischen" Sicherheitspolitik Russlands verteidigt. Immerhin habe die NATO auch die Aufgabe, "ihre Mitglieder zu schützen", so Major im SR-Interview.

Im Rahmen der Übung "Defender 2020" will die US-Armee von Ende Januar bis in den April hinein die Verlegung einer ganzen Division mit zehntausenden Soldaten nach Osteuropa proben. NATO-Mitglied Deutschland übernimmt die zentralen logistischen Aufgaben für diese größte Truppenverlegung seit einem Vierteljahrhundert.

Kritik an Russlands Sicherheitspolitik

Wird "Defender 2020" das Risiko einer militärischen Konfrontation mit Russland erhöhen? Dr. Claudia Major, Expertin in Sachen Verteidigungspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, glaubt eher an die abschreckende Wirkung: Die Schauplätze in Mittel- und Osteuropa seien nicht zufällig ausgewählt, denn gerade diese Regionen blickten "zutiefst beunruhigt" nach Russland, das nach Auffassung von Major eine "zunehmend aggressive, revisionistische" Sicherheitspolitik verfolge. Als Beleg nannte Major die russischen Aktionen in der Ukraine und in Syrien.

Schutzaufgabe der NATO

Im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit betonte Major die Notwendigkeit solcher Feld- und Straßenmanöver wie Defender 2020 als Voraussetzung, "um im Krisenfall tatsächlich einsatzfähig zu sein". Immerhin vertrete die NATO nicht nur den Ansatz, den "Dialog mit Russland" zu suchen, sondern habe als Verteidigungsbündnis auch die Aufgabe, "ihre Mitglieder zu schützen".

Hintergrund:

An "Defender Europe 2020" sollen insgesamt 37.000 Soldatinnen und Soldaten aus 19 Ländern mit 8.600 Radfahrzeugen und 1.100 Kettenfahrzeugen teilnehmen. Auch die Bundeswehr ist dabei. Es handelt sich um die größte Truppenverlegung von den USA nach Europa seit 25 Jahren. Offizielles Ziel ist es, die Einsatzbereitschaft innerhalb der NATO zu prüfen und zu erhöhen.


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Das Archivbild ganz oben stammt vom 03.11.2018: Norwegen, Engerdal: Das von der NATO veröffentlichte Foto zeigt deutsche Kampfpanzer vom Typ Leopard 2, die eine Straße im Manövergebiet der NATO-Übung Trident Juncture sichern. Für die Übung wurden rund 50.000 Soldaten aus den 29 Nato-Staaten sowie aus Finnland und Schweden zusammengezogen. Die Übung dauerte bis zum 07.11.2018. (Foto: Marco Dorow/Bundeswehr/dpa

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 15.01.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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