Volle Rente erst mit 64? Les Français disent Non!

Volle Rente erst mit 64? Les Français disent Non!

Ein Gespräch mit Korrespondent Martin Bohne am Morgen des dritten Generalstreik-Tages in Frankreich

Holger Büchner / Onlinefassung: Rick Reitler   17.12.2019 | 06:15 Uhr

Frankreich wird sich wohl wieder auf einen "schwarzen Dienstag" einstellen müssen: Der Generalstreik gegen die Rentenreformpläne der Regierung dürfte das Land spätestens ab dem frühen Nachmittag wieder lähmen. Inzwischen machen sogar die "gemäßigten Gewerkschaften" mit, wie Frankreich-Korrespondent Martin Bohne berichtet.

Fast alle Züge fallen aus
Erneut Generalstreik in Frankreich
Frankreich steht am 17. Dezember ein sogenannter "schwarzer Dienstag" bevor. Mehrere Gewerkschaften haben erneut landesweit zu Streiks im Öffentlichen Dienst aufgerufen. Hintergrund sind die Proteste gegen die Rentenpläne der französischen Regierung.


In ganz Frankreich gehen am 17. Dezember ab dem frühen Nachmittag wieder Gewerkschaften und unzufriedene Bürger auf die Straßen, um die geplante Rentenreform der Regierung zu verhindern. Es handelt sich um den bereits dritten großen nationalen Streik- und Protesttag seit dem 5. Dezember.

Mehr Widerstand

"Der Widerstand hat sich sogar noch ausgedehnt, weil jetzt auch die gemäßigten Gewerkschaften sich den Protesten, den Demonstrationen anschließen", berichtet Frankreich-Korrespondent Martin Bohne im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner.

Der Grund für die Proteste liege vor allem in einer Ankündigung von Premierminister Eduard Philippe, nach der die Franzosen künftig zwar immer noch grundsätzlich mit 62 Lebensjahren in Rente gehen dürfen, die "volle Rente" aber nur noch an jene Bürger ausgezahlt werden soll, die ihren Ruhestand erst mit 64 Jahren antreten.

Rentenreform-"Architekt" schon zurückgetreten

Außerdem seien die Bürger nicht gut auf den jüngst zurückgetretenen "Architekten" der Rentenreform, Jean-Paul Delevoye, zu sprechen, erläuterte Bohne. Der 72-Jährige soll verschiedene - zum Teil gut bezahlte - Tätigkeiten nicht offiziell angegeben haben.

Hintergrund:

tagesschau.de: Reform in Frankreich
Renten-Architekt legt Amt nieder
Er gilt als Vertrauter von Präsident Macron, nun ist der Architekt der umstrittenen Rentenreform in Frankreich zurückgetreten. Jean-Paul Delevoye soll diverse bezahlte und unbezahlte Tätigkeiten nicht offiziell angegeben haben - zum Beispiel in der Finanzbranche, bei einer Denkfabrik und bei einer Stiftung des Eisenbahnbetreibers SNCF.


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Protest gegen Rentenpläne
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Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" am 06.12.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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