70 Jahre NATO: "Militärisch funktioniert sie ja"

"Militärisch funktioniert sie ja"

Ein Interview mit Dr. Claudia Major, Expertin für Sicherheitspolitik, Stiftung Wissenschaft und Politik, über die Lage der NATO vor dem Gipfel in London

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   03.12.2019 | 07:15 Uhr

Die Sicherheitsexpertin Dr. Claudia Major hat den europäischen Partnern in der NATO empfohlen, sich in Fragen der internationalen Sicherheitspolitik unabhängiger von den USA aufzustellen. Deutschland könne dabei "potenziell eine wichtige Rolle spielen", sagte Major im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue.

Die NATO trifft sich am 3. und 4. Dezember in London zum Gipfel, um ihr 70-jähriges Bestehen zu feiern. Dabei dürften allerdings eher die aktuellen Probleme im Mittelpunkt stehen, denn die Konflikte zwischen den Bündnispartnern haben sich in jüngster Zeit gehäuft - man denke nur an die Lage in Syrien, Nordafrika oder der Ukraine und die Haltungen von Frankreich, der Türkei, Deutschland und den Vereinigten Staaten.

"Eigenständiger sein"

"Ich denke, dass die Europäer auf jeden Fall den Anspruch haben sollten, in der Sicherheitspolitik eigenständiger zu sein", meint Dr. Claudia Major von der Stiftung Wissenschaft und Politik, eine Expertin für Sicherheitspolitik, im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue. Zurzeit sei die EU jedenfalls nicht in der Lage, ihr "beeindruckendes Konstrukt" "selber zu verteidigen". Genau das aber sei aus zwei Gründen nützlich: Erstens sei die EU dann ein "attraktiverer Partner für die USA", und zweitens steige die eigene Verteidigungsfähigkeit für den Fall, dass sich die USA weiter von Europa abwendeten.

Politische Probleme lösen

Deutschland könne dabei "potenziell eine wichtige Rolle spielen" - gerade wenn es darum gehe, "die einzlenen Staaten an einen Tisch zu bringen". Denn im Kern gehe es zurzeit um die Frage, die "politischen Probleme" zwischen den 29 Bündnispartnern zu lösen. Militärisch funktioniere die NATO ja, so Majors Einschätzung.

Hintergrund:

tagesschau.de: Gipfel in London
Die NATO und ihr größtes Sorgenkind
Beim am 3. Dezember beginnenden NATO-Gipfel in London steht ein Land besonders im Fokus: die Türkei. Die Beziehungen zu Ankara sind massiv gestört. Warum eigentlich?


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 03.12.2019 auf SR 2 KulturRadio.

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja