Die Saar-Wirtschaft als "Opfer der Klimakrise"

Die Saar-Wirtschaft als "Opfer der Klimakrise"

Ein Interview mit Wolfgang Wirtz-Nentwig, Leiter der SR-Wirtschaftredaktion

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   29.11.2019 | 07:45 Uhr

Angesichts einer langen Liste von "Baustellen" - von der Klimakrise bis zum Brexit - sieht SR-Wirtschaftsredakteur Wolfgang Wirtz-Nentwig die Saar-Wirtschaft am Ende einer Ära. Die "einzige Chance" sehe er darin, "Vorreiter beim ökologischen Umbau der Wirtschaft" zu werden. Auch um einen gesellschaftspolitischen Wandel komme man auf Dauer nicht herum.

Wolfgang Wirtz-Nentwig  (Foto: SR)
Wolfgang Wirtz-Nentwig


Wolfgang Wirtz-Nentwig, der Leiter der SR-Wirtschaftsredaktion, geht davon aus, dass sich die Saar-Wirtschaft angesichts des jetzt schon massiven Arbeitsplatzabbaus bei Stahlkochern und Autozulieferern noch schneller wird wandeln müssen als schon in den vergangenen Jahrzehnten.

"Wir stehen in einem großen Umbruch mittendrin", sagte Wirtz-Nentwig im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit, "die Klimakrise fordert ihre Opfer". Bei der augenblicklichen Situation handele sich um den "Anfang einer neuen Ära".

Lange Liste an Störfaktoren

Statistik
Mehr Arbeitslose als vor einem Jahr
Im Saarland waren im November 32.200 Menschen arbeitslos gemeldet. Nach Angaben der Agentur für Arbeit sind das 1000 Erwerbstätige weniger als noch im Oktober. Im Vergleich zum November 2018 ist die Zahl der Arbeitslosen allerdings um 2200 gestiegen.

Gerade das export-abhängige Saarland leide besonders unter "Baustellen" wie der Klimakrise, Umweltauflagen, der Dumping-Stahl-Schwemme, technologischen Umbrüchen, Handelskonflikten, unberechenbaren Potentaten in Ost und West, dem Brexit und nicht zuletzt unter der Unklarheit über die Mobilität der Zukunft. "Verunsicherung" aber sei in der Wirtschaft "immer das Schlechteste von allen", so Wirtz-Nentwigs Überzeugung.

"Vorreiterrolle"

Die "einzige Chance" sehe er für die saarländische Wirtschaft darin, "Vorreiter beim ökologischen Umbau der Wirtschaft" zu werden. All das werde auch einen politischen Wandel erforderlich machen - zum Beispiel über eine Reform der Sozialsysteme.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 29.11.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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