Prof. Uwe Leprich: "Da stinkt der Fisch vom Kopf her"

"Da stinkt der Fisch vom Kopf her"

Ein Interview mit Prof. Uwe Leprich, Energie-Experte von der htw saar

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   27.11.2019 | 08:25 Uhr

Der Energie-Experte Prof. Uwe Leprich hat einen einheitlichen Mindestpreis für CO2-Emissionen in Höhe von mindestens 40 Euro und ein "relativ schnelles" Verbot von Gas- und Ölheizungen, Verbrennungsmotoren und Kohlekraftwerken gefordert. Zum Ausgleich solle es eine Strompreissenkung und eine "Klimadividende für die Bürger" geben, so Leprich im SR-Interview.


Prof. Uwe Leprich, Experte für Energiewirtschaft, Wirtschafts- und Umweltpolitik an der htw saar, hat die Bundesregierung für ihre Umwelt- und Klimasschutzpolitik scharf kritisiert: "Ich beobachte seit Jahren ein eklatantes Politikversagen", sagte Leprich im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit, "da stinkt der Fisch vom Kopf her".

Für 40 oder 50 Euro pro Tonne CO2

Konkret bemängelte er mangelnde Fortschritte in den Bereichen Verkehr und Treibhausgas-Ausstoß. Er forderte einen einheitlichen Mindestpreis für CO2-Emissionen, der deutlich über den aktuell geplanten zehn Euro pro Tonnen zu liegen habe. "Wenn wir mit 40, 50 Euro die Tonne anfangen, dann können wir langsam eine Lenkungswirkung auch sehen", so Leprichs Überzeugung.

Kontra Gas, Sprit und Kohle

Das Aus für Kohlekraftwerke, müsse "relativ schnell und sehr geplant" kommen - ebenso wie das Aus für Verbrennungsmotoren, Öl- und Gasheizungen. Zum Ausgleich plädierte er sowohl für "eine Strompreissenkung als auch eine Klimadividende für die Bürger".

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