Zum Zustand der GroKo in Berlin

CDU "in Aufruhr", SPD vor Führungsentscheidung

Ein Gespräch mit Hauptstadt-Korrespondentin Sabine Müller über den Zustand der GroKo in Berlin zwei Jahre nach der Bundestagswahl

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   06.11.2019 | 07:45 Uhr

Hauptstadt-Korrespondentin Sabine Müller sieht das Regierungsbündnis zwischen CDU, CSU und SPD insgesamt besser aufgestellt als allgemein dargestellt. Trotzdem könne das Weiterbestehen der GroKo auch davon abhängen, welches Duo demnächst an die Spitze der SPD gewählt werde.

Gemeinsam Einiges erreicht, gemeinsam noch viel zu tun, aber schon nach anderthalb Jahren wieder ziemlich genervt voneinander - so könnte man den Zustand der schwarz-roten Koalition rund zwei Jahre nach der Bundestagswahl zusammenfassen.

CSU derzeit "Stabilitätsanker"

tagesschau.de: Halbzeitbilanz der GroKo
Warum Erfolge nicht wahrgenommen werden
Die Große Koalition legt am 6. November im Kabinett ihre Halbzeitbilanz vor. Nach ARD-Informationen fällt die ziemlich gut aus. Aber: Die Menschen nehmen viele der Erfolge nicht wahr.

Für Hauptstadt-Korrespondentin Sabine Müller ist die Partnerschaft zwischen CDU, CSU und SPD trotzdem "besser als das Bild, was sie oft nach außen vermittelt, wenn man sieht, wie da gestritten wird." Als der große "Stabilitätsanker" des GroKo-Zweckbündnisses habe sich derzeit die CSU herausgestellt, denn die CDU sei u. a. wegen Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer "in Aufruhr", und die SPD agiere noch immer ohne neue Parteiführung.

SPD-Spitze

Sollte das Duo Saskia Esken/Norbert Walter-Borjans das Rennen um die SPD-Spitze vor Olaf Scholz/Klara Geywitz machen, dann "könnte das hier noch relativ spaßig werden, was die Zukunft der GroKo angeht", so Müller im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Erdmenger.

Der andere Blickwinkel:

GroKo-Bestandsaufnahme: Weiter geht's!
Audio [SR 2, Uli Hauck, 06.11.2019, Länge: 03:39 Min.]
GroKo-Bestandsaufnahme: Weiter geht's!
Trotz aller Streitigkeiten bescheinigen manche Experten der schwarz-roten Bundesregierung zwei Jahre nach der Bundestagswahl "insgesamt gute Arbeit" - auch wenn bei den Bürgern nicht viel davon ankomme. Am 6. November 2019 gibt's ein Zwischenzeugnis, das sich die GroKo selbst ausstellt. Ihr eigenes Fazit: Es lief bislang so gut, dass es gemeinsam bis zum Ende der Legislatur im Herbst 2021 weiter gehen kann. Aus der Sicht von SR-Korrespondent Uli Hauck wurden die Erfolge des Bündnisses zu wenig gewürdigt, weil es an innerem Zusammenhalt in der Koalition, an Begeisterung und an einer Vision für die Zukunft gefehlt habe.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 06.11.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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