Samuel Jackisch: Brexit zum 31. Oktober wohl nicht zu halten

Brexit zum 31. Oktober wohl nicht zu halten

Ein Interview mit Brüssel-Korrespondent Samuel Jackisch vor dem EU-Gipfel am 17. Oktober 2019

Holger Büchner. Onlinefassung: Rick Reitler   17.10.2019 | 07:25 Uhr

Brüssel-Korrespondent Samuel Jackisch glaubt weder an einen "harten Brexit" noch an einen EU-Austritt Großbritanniens zum 31. Oktober. Einige Tage oder Wochen, "vielleicht sogar drei Monate" werde es seiner Einschätzung nach noch brauchen, um ein Einigungsdokument für einen Brexit-Deal zu verfassen, mit dem alle Seiten leben könnten.

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Noch knapp zwei Wochen bis zum 31. Oktober 2019, dem offiziellen Austrittsdatum Großbritanniens aus der EU. Ein "Deal" für den Brexit wurde vom Unterhaus in London immer noch nicht akzeptiert, und an einem Austritt ohne Abkommen besteht auch von keiner offiziellen Seite wirkliches Interesse.

Beim EU-Gipfel wollen nun die Staats- und Regierungschefs ab dem Nachmittag des 17. Oktober in Brüssel versuchen, das seit Jahren andauernde Dilemma doch noch im Eiltempo zu lösen. Nach Einschätzung von Brüssel-Korrespondent Samuel Jackisch könnte das wohl auch gelingen. "Der harte Brexit ist einfach unwahrscheinlich", sagte er im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner. Wenn so ein ungeregelter Austritt ernsthaft von London in Kauf genommen worden wäre, so wäre es seiner Meinung nach schon längst dazu gekommen.

Terminverschiebung wahrscheinlich

Auch der 31. Oktober werde aus seiner Sicht nicht der Austrittstermin sein - er rechne fest mit einer weiteren Terminverschiebung. Einge Tage oder Wochen, "vielleicht sogar drei Monate" werde es ja dauern, ein Einigungsdokument auszuformulieren, zu übersetzen und zu ratifizieren.

Hintergrund:

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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 17.10.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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